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Deutsche Geschichte für evangelische Volksschulen

Bibliographic data

Monograph

Persistent identifier:
PPN640619266
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-7620410
Title:
Deutsche Geschichte für evangelische Volksschulen
Shelfmark:
HDH-II 8(1,01)L
Author:
Tecklenburg, August
Place of publication:
Hannover [u.a.]
Publisher:
Carl Meyer (Gustav Prior)
Document type:
Monograph
Collection:
History textbooks, imperial Germany
Publication year:
1901
Edition title:
Ausg. für d. Lehrer [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German

Chapter

Title:
I. Die Zeit des Heidentums
Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter

Contents

Table of contents

  • Deutsche Geschichte für evangelische Volksschulen
  • Binder
  • Advertising
  • Title page
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • I. Die Zeit des Heidentums
  • II. Die Zeit des Kampfes zwischen Heidentum und Christentum
  • III. Die Zeit der Lehensherrschaft
  • IV. Die Zeit des Verfalls der Kaisermacht
  • V. Die Zeit der Reformen
  • VI. Die Zeit des dreißigjährigen Krieges
  • VII. Die Zeit der Fürstenmacht
  • VIII. Die Zeit der Fremdherrschaft
  • IX. Die Zeit des Ringens nach Freiheit und Einheit
  • X. Im neuen Deutschen Reich
  • Zeittafel
  • Advertising
  • Inhaltsübersicht nach Längs- und Querschnitten
  • Binder

Full text

I. Die Zeit des Heidentums. 9 
Anstoß zum Wandern gaben im Jahre 375 die Hunnen, ein wildes, 
häßliches Reitervolk, das auf kleinen, aber flinken Pferden aus dem fernen 
Asien daherkam. Sie stießen auf die Goten und drängten diese aus 
ihren Wohnsitzen. Dadurch entstand eine große Bewegung uuter den 
Völkern Europas und unter den Völkerschaften unseres Vaterlandes, 
ein Rücken von einem Wohnsitze zum andern. Das war die Völker¬ 
wanderung, die fast 200 Jahre gedauert hat. 
Alarich. Die Ostgoten hatten sich mit den Hunnen verbunden. Die West¬ 
goten entwichen vor ihnen. Ihr junger König Alarich führte sie nach Italien und 
belagerte die Stadl Rom. Die Römer ließen ihm sagen: „Bedenke, wie zahlreich und 
stark das römische Volk ist." Aber Alarich erwiderte: „Je dichter das Gras, desto 
besser das Mähen!" Erst als die Römer große Summen Geldes gaben, zogen die 
Goten von dannen. Aber bald stand Alarich abermals vor der Stadt, eroberte uud 
plünderte sie. Dann zog er weiter nach Süden; über Sicilien sollte es nach Afrika 
gehen. Aber unterwegs ereilte den kühnen Heerführer der-Tod. Sein Grab sollte' 
niemand entweihen; daher leiteten die Goten den Busentofluß ab und begruben den 
König in voller Rüstung samt seinem Streitroß mitten im Strombett. Dann lenkten 
sie den Fluß wieder in seine User, daß die Wogen über das Grab hinrauschten. — 
Unter einem neuen Anführer zogen die Westgoten nach dem heutigen Südfrankreich 
und gründeten dort ein großes Reich. 
Attila. Die Hunnen und mit ihnen die Ostgoten hatten sich zunächst an der 
unteren Donau festgesetzt. Als aber Attila Beherrscher der Hunnen wurde, zog er mit 
ihnen zu neuen Eroberungen aus. Attila war kurz und gedrungen von Gestalt, 
häßlich wie alle Hunnen; aber er war ein gewaltiger Herrscher. Man sagte, er habe 
das Schwert des Kriegsgottes gefunden und sei unbesiegbar. Seine Burg, die nur 
aus Holz bestand, hatte er in der großen Ebene zwischen Theiß und Donau. Dort 
erschienen Gesandte des Abend- und Morgenlandes, und Gäste wurden aufs köstlichste 
bewirtet: aber Attila blieb einfach und schweigsam; sein Sinn stand ihm nach der 
Herrschaft über die Völker. Daher zog er mit einem großen Heere, dem nicht nur 
Hunnen, sondern auch germanische und slavische Völkerschaften angehörten, weiter 
nach Westen, die Donau hinauf, durch Süddeutschland, an den Rhein und darüber 
hinaus ins heutige Frankreich. Da einigten sich die Völker Westeuropas: Franken, 
Westgoten und Römer, traten dem Hunncnkönig im Jahre 451 auf den katalau- 
nifchen Feldern bei Chalons-entgegen und schlugen ihn, daß er eiligst den Rückzug 
antrat. So grausig war der Kampf, daß die Leute sagten, die Geister der Er¬ 
schlagenen hätten noch drei Tage in den Lüften miteinander gerungen. Attila unter¬ 
nahm in den folgenden Jahren noch mehrere Züge nach Italien und beherrschte das 
Römerreich. Ein plötzlicher Tod machte seinen Eroberungen ein Ende. 
b) Folgen. Die Völkerwanderung führte den Untergang des 
römischen Weltreiches herbei. Die Städte und Einrichtungen, die durch 
die Römer in unserm Vaterlande entstanden waren, wurden durch die 
wandernden Völkerscharen ebenfalls vernichtet. Große Länderstrecken waren 
leer geworden, und andere Völkerstämme nahmen darin Platz. Die Bur¬ 
gunder: fanden neue Wohnsitze am Mittelrhein, gründeten das Bur- 
gundenreich und machten Worms zur-Hanptftadt. In die Gebiete an der 
oberen Donau zogen die Bayern und nahmen unter ihren Herzögen 
dauernd Besitz von dem Lande, das nach ihnen den Namen führt. Auch 
die weiten Ebenen zwischen Elbe und Oder und östlich davon waren 
von den deutschen Völkerschaften verlassen. Dort setzten sich slavische 
Völkerstämme fest, die den gemeinsamen Namen Wenden führten: in der 
Niederlausitz die Lusizer; an der Mittelelbe und Saale die Sorben, in 
der Mark Brandenburg die Milzen, und im jetzigen Mecklenburg die 
Obotriten. — Nach der Wanderung wurden die Völkerschaften immer
	        

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Tecklenburg, August. Deutsche Geschichte Für Evangelische Volksschulen. Hannover [u.a.]: Carl Meyer (Gustav Prior), 1901. Print.
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