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Größeres Lesebuch für Fortbildungsschulen in Stadt und Land

Bibliographic data

Monograph

Persistent identifier:
PPN647548933
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-8058991
Title:
Meine Wanderungen und Wandelungen mit dem Reichsfreiherrn vom Stein
Shelfmark:
P 7845/5-3
Author:
Arndt, Ernst Moritz
Otto, A.
Place of publication:
Düsseldorf
Publisher:
Schwann
Document type:
Monograph
Collection:
History textbooks, imperial Germany
Publication year:
1910
Edition title:
[Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German
Subtitle:
(1812 - 1814.)

Chapter

Title:
3. Am Vorabende der Freiheitskriege
Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter

Contents

Table of contents

  • Größeres Lesebuch für Fortbildungsschulen in Stadt und Land
    Größeres Lesebuch für Fortbildungsschulen in Stadt und Land
  • Binder
  • Title page
  • Vorwort zur ersten Auflage
  • Vorwort zur dritten Auflage
  • Zur fünften Auflage
  • Inhalts-Verzeichnis
  • I. Erzählungen
  • II. Schilderungen und Betrachtungen
  • III. Geschichtsbilder und Lebensbeschreibungen
  • IV. Bilder aus der Länder- und Völkerkunde
  • V. Bilder aus der Naturkunde
  • VI. Aus der Wirtschaftslehre
  • VII. Gedichte
  • VIII. Sprüche und Sprichwörter
  • Anhang
  • Binder

Full text

247 
jedem Boden und breitet ihre Altardecke aus in die niedrigen Ebenen 
wie in die Hochländer. Außerordentlich ist ihre Fruchtbarkeit, so daß 
sie in manchen Gegenden zweihundertfältige Frucht bringt. Selbst der 
Winterkälte vermag das zarte Blatt unter der Schneedecke zu wider— 
stehen, und unter den Fußtritten der Menschen wie der Tiere zerreißt 
es nicht; ist es niedergetreten, richtet es sich wieder auf. In dem Ver— 
gänglichen das Unvergängliche, in dem Irdischen das Ewige zu erkennen, 
geziemt wohl einem Christen. Unser Herr und Meister hat in dem 
Körnlein des Feldes mehr als die Frucht zur Nahrung des Leibes ge— 
schauet und seiner oft in Gleichnisreden gedacht. 
Unter allen Getreidearten hat die Gerste sich am weitesten aus— 
gebreitet. Sie ist dem Menschen gefolgt nach dem kalten Norden, sie 
hat ihn nicht verlassen mögen in dem heißen Süden. In Lapplands 
winterlichen Fluren, wo män den Obstbaum und die Eiche vergebens 
sucht, harret die Gerste treulich aus und bietet das tägliche Brot zu dem 
Fleisch der Fische wie zu der Milch des Renntiers. Bald gesellt sich 
der schmackhaftere Roggen zu ihr, noch südlicher der Weizen, und immer 
weißer wird das Brot auf dem Tische, immer edler die Frucht des Feldes 
Jenseit der Alpen ist noch eine Getreideart, die nicht über dieses hohe 
Gebirge in unser Vaterland hat wandern mögen, das ist der Reis. In 
Indien, China und Japan hat derselbe die Alleinherrschaft erlangt. Ge— 
mahlen und ungemahlen, in den verschiedensten Formen wird er in jenen 
Ländern morgens, mittags und abends genossen. Der Kaiser von China 
läßt in seinem großen, kanalreichen Lande jährlich 10000 Kähne, mit 
Reis beladen, auf und ab fahren; denn nicht nur sein Heer, auch seine 
Beamten bekommen einen Teil ihrer Besoldung in Reis ausgezahlt, und 
der erfinderische Chinese weiß aus Reisschleim sogar Fächer gegen die 
Strahlen der Sonne zu machen. 
So wenig Arten des Getreides es auch giebt, so hat dasselbe doch 
der Verwandten mehr denn eine andere Pflanze. Es gehört nämlich zu 
der großen Familie der Gräser, die nahe an 4000 Familienglieder zählt. 
Das Getreide ist eben ein Gras und das goldene Korn der Ceres nichts 
weiter als ein Grassamen. Aber ein prächtiges Gras, das den Menschen 
erst zu milderen Sitten gewöhnte. Trespe, Lolch, Schwingel und wie 
die Schwestergräser alle heißen, sie geben freilich auch Körner, aber solche, 
mit denen nuür die genügsamen Vögel des Himmels, aber nicht wir ir— 
dischen Menschen zufrieden sind. Die wichtigste Frage ist nun, ob denn 
Roggen, Weizen, Gerste, Hafer von Natur diese ganz anders schwellenden 
Körner haben, oder ob die liebe Erziehung sie erst bei ihnen zu stande 
gebracht hat? — Wo hat das Getreide seine Heimat, damit wir die Ur— 
pflanze mit unserer Kuͤlturpflanze vergleichen? Diese Frage ist oft er— 
hoben, aber zum mindesten für den Roggen ist sie bis heute so wenig 
beantwortet, wie die Frage nach der Urheimat des Menschen, der ihn 
säen lernte. Nach Kleinasien, dem armenischen Hochlande, weisen bo— 
tanische Reisende mutmaßend hin; so will ihn Koch dort im Gaue 
Hemschen auf Granitboden sicherlich wild gefunden haben. Wächst doch 
dort auf den Hochebenen des Kaukasus und des anliegenden Asiens als 
eine ganz eigentümliche Getreideart wild auch die „Knollengerste,“ deren
	        

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