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Vaterländisches Lesebuch für die mehrklassige evangelische Volksschule Norddeutschlands

Bibliographic data

Monograph

Persistent identifier:
PPN654558388
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-4140508
Title:
Kurzgefaßte Geschichte Mecklenburgs
Shelfmark:
HD-II 76(3,04)
Author:
Reinhardt, Otto
Place of publication:
Neubrandenburg
Publisher:
Nahmmacher
Document type:
Monograph
Collection:
History textbooks, imperial Germany
Publication year:
1904
Edition title:
3., verb. Aufl. [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German
Subtitle:
in zusammenhängender Darstellung für Schule und Haus

Binder

Document type:
Monograph
Structure type:
Binder

Contents

Table of contents

  • Vaterländisches Lesebuch für die mehrklassige evangelische Volksschule Norddeutschlands
  • Binder
  • Title page
  • Aus dem Vorwort zur ersten Auflage
  • Inhaltsverzeichnis
  • Erste Abteilung. Erbauliches und Beschauliches
  • Anhang zum Singen und Sagen
  • Zweite Abteilung. Bilder zur Belebung und Hebung des Fachunterrichts
  • Beginn der Reformation
  • Gustav Adolf
  • Die Provinz Sachsen in geschichtlichen und geographischen Bildern
  • Inhaltsverzeichnis
  • Binder

Full text

43. Die Einladung. 
199 
sah etwas blinken auf der Straß', 
das ein zerbrochen Hufeisen was. 
Er sagte zu St. Peter drauf: 
„Heb' doch einmal das Eisen auf!" 
St. Peter war nicht aufgeräumt, 
er hatte soeben im Gehen geträumt 
so was vom Regiment der Welt, 
was einem jeden wohlgefällt: 
denn im Kopf hat das keine Schranken; 
das waren so seine liebsten Gedanken. 
Nun war der Fund ihm viel zu klein, 
hätt' müssen Krön' und Zepter sein; 
aber wie sollt' er seinen Rücken 
nach einem halben Hufeisen bücken? 
Er also sich zur Seite kehrt 
und thut, als hätt' er's nicht gehört. 
Der Herr, nach seiner Langmut, drauf 
hebt selber das Hufeisen auf 
und thut auch weiter nicht dergleichen. 
Als sie nun bald die Stadt erreichen, 
geht er vor eines Schmiedes Thür, 
nimmt von dem Mann drei Pfennig dafür. 
Und als sie über den Markt nun gehen, 
sieht er daselbst schöne Kirschen stehen, 
kauft ihrer, so wenig oder so viel, 
als man für einen Dreier geben will, 
die er sodann nach seiner Art 
ruhig im Ärmel aufbewahrt. 
Nun ging's zum andern Thor hinaus, 
durch Wies' und Felder ohne Haus, 
auch war der Weg von Bäumen bloß; 
die Sonne schien, die Hitz' war groß, 
so daß man viel an solcher Stätt' 
für einen Trunk Wasser gegeben hätt'. 
Der Herr geht immer voraus vor allen, 
läßt unversehens eine Kirsche fallen. 
St. Peter war gleich dahinter her, 
als wenn es ein goldner Apfel wär'; 
das Beerlcin schmeckte seinem Gaum. 
Der Herr, nach einem kleinen Raum, 
ein ander Kirschlein zur Erde schickt, 
wonach St. Peter schnell sich bückt. 
So läßt der Herr ihn seinen Rücken 
gar vielmal nach den Kirschen bücken. 
Das dauert eine ganze Zeit. 
Dann sprach der Herr mit Heiterkeit: 
„Thätst du zur rechten Zeit dich regen, 
hätt'st du's bequemer haben mögen. 
Wer geringe Dinge wenig acht't, 
sich um geringere Mühe macht." 
Goethe. 
43. Die Einladung. 
Ein frommer Landmann in der Kirche saß ; 
den Text der Pfarrer aus Johanne las 
am Ostermontag, wie der Heiland rief 
voin User: „Kindlein, habt ihr nichts zu essen?" 
Das drang dem Landmann in die Seele 
tief, 
daß er in stiller Wehmut da gesessen. 
Drauf betet er: „Mein liebster Jesu Christ! 
so fragest du? O, wenn du hungrig bist, 
so sei am nächsten Sonntag doch mein Gast 
und halt' an meinem armen Tische Rast. 
Ich bin ja wohl nur ein geringer Mann, 
der nicht viel Gutes dir bereiten kann: 
doch deine Huld, die dich zu Sündern trieb, 
nimmt auch an meinem Tische wohl vor¬ 
lieb." 
Er wandelt heim und spricht sein herzlich 
Wort 
an jedem Tag die ganze Woche fort. 
Am Samstag-Morgen läßt's ihn nimmer 
ruhn: 
„Frau", hebt er an, „nimm aus dein bestes 
Huhn, 
bereit' es kräftig, fege Flur und Haus, 
stell' in die Stub' auch einen schönen Strauß; 
denn wisse, daß du einen hohen Gast 
auf morgen Mittag zu bewirten hast. 
Putz' unsre Kinderlein, mach' alles rein; 
der werte Gast will wohl empfangen sein." 
Da springen alle Kinderlein heran: 
„O Vater, wer? Wie heißt der liebe Mann?" 
Die Mutter frägt: „Nun, Vater, sage mir, 
gar einen Herren ludest du zu dir?" 
Der Vater aber lächelt, sagt es nicht, 
und Freude glänzt in seinem Angesicht. 
Am Sonntag ruft der Morgenglocken Hall; 
zum lieben Gotteshanse ziehn sic all', 
und immer seufzt der Vater innerlich: 
„O liebster Jesu, komm', besuche mich! 
Du hast gehungert; ach, so möcht' ich gern 
dich einmal speisen, meinen guten Herrn." 
Wie die Gemeinde drauf nach Hause geht, 
die Mutter bald am Herde wieder steht. 
Das Huhn ist weich, die Suppe dick und fett; 
sie deckt den Tisch, bereitet alles nett, 
trägt auf und denkt beim zwölften Glocken¬ 
schlag: 
Wo doch der Gast so lange bleiben mag! 
Es schlägt auf eins; da wird's ihr endlich 
bang: 
„Sprich, lieber Mann, wo weilt dein Gast 
so lang? 
Die Suppe siedet ein, die Kinder stehn 
so hungrig da, und noch ist nichts zu sehn. 
Wie heißet denn der Herr? Ich glaube fast, 
daß du vergeblich ihn geladen hast." 
Der Vater aber winkt den Kinderlein: 
„Seid nur getrost! er kommt nun bald 
herein."
	        

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Müller, Wilhelm. Leitfaden Für Den Unterricht in Der Geschichte. Heilbronn: Scheurlen, 1873. Print.
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