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Geschichte

Bibliographic data

Monograph

Persistent identifier:
PPN663100445
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-4658095
Title:
Geschichte
Shelfmark:
16 B 0089,2
Author:
Müller, Peter
Völker, J. A.
Place of publication:
Gießen
Publisher:
Roth
Document type:
Monograph
Collection:
History textbooks, imperial Germany
Publication year:
1898
Edition title:
[Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German
Subtitle:
ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler

Chapter

Title:
II. Bilder aus der deutschen Geschichte
Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter

Chapter

Title:
37. Die französische Staatsumwälzung
Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter

Contents

Table of contents

  • Geschichte
  • Binder
  • Title page
  • Inhaltsverzeichnis der Geschichte
  • I. Bilder aus der alten Geschichte
  • 1. Die Ägypter
  • 4. Assyrer und Babylonier
  • 6. Die Griechen
  • 8. Die Römer
  • II. Bilder aus der deutschen Geschichte
  • 5. Die Völkerwanderung. 375-568
  • 8. Karl der Große (768-814)
  • 13. Heinrich IV. (1056-1106) und Papst Gregor VII.
  • 14. Die Kreuzzüge (1095-1291)
  • 17. Friedrich Barbarossa (1152-90)
  • 23. Wichtige Erfindungen und Entdeckungen
  • 26. Die Reformation
  • 31. Deutschland und Ludwig XIV. von Frankreich
  • 37. Die französische Staatsumwälzung
  • 43. Der deutsch-französische Krieg
  • Das römische Reich in seiner größten Ausdehnung um 100 n. Chr.
  • Europa am Ende der Völkerwanderung
  • Das Reich Karls des Grossen nach der Teilung im Vertrag von Verdun 843
  • Napoleons Kaiserreich im Jahre 1812
  • Advertising
  • Binder

Full text

Die französische Staatsumwälzung. 89 
37. Die französische Slaalsumwätzung. 
Ursachen. Durch viele Kriege und eine üppige Hofhaltung liatte Ludwig XIV. 
fein Land in Schulden gestürzt. Ludwig XV. trieb es noch schlimmer. An feinem 
Hofe herrschte ein sittenloses Leben, das ungeheure Summen verschlang. So wurde die 
Schuldenlast immer größer, uud die Steuern waren nicht mehr zu erschwingen. Dabei 
waren der Adel und die Geistlichkeit, denen zwei Drittel von Grund und Boden ge¬ 
hörten, von Steuern frei. Die ganze Last lag also ans den Schultern des Volkes, das 
daneben noch durch Zehnten, Frondienste rc. über Gebühr belastet war. Verschiedene 
Schriftsteller, wie Voltaire, Rousseau u. a., hatten durch ihre Schriften den Glauben 
an Gott und eine göttliche Weltordnung untergraben, das Christentum verächtlich ge¬ 
macht und die Achtung vor dem Gesetz vernichtet. — In Amerika hatten die englischen 
-Kolonieen sich vom Mutterlande losgerissen und in mehrjährigem Kriege ihre Selb¬ 
ständigkeit erkämpft. Heimgekehrte Kampfer streuten die Gedanken von Freiheit und 
Gleichheit nnter das Volk. Es dünkte manchem nicht allzu schwer, auch in Frankreich 
das Beispiel der vereinigten Staaten von Amerika nachzuahmen. Unter diesen Um¬ 
stünden starb Ludwig XV., und sein Sohn Ludwig XVI. folgte ihm auf den Thron. 
Er war einfach, sparsam und vom besten Willen beseelt. Aber das Verhängnis auf¬ 
zuhalten, dazu war er zu schwach. 
Ausbruch Der Staatsumwälzunq. Um Mittel und Wege aufzufinden, wie die 
Geldnot zu beseitigen sei, berief der König die Stünde, die seit 150 Jahren nicht mehr 
einberufen waren, nach Versailles (1789). Von den 1200 Abgeordneten gehörte die 
Hülste dem Bürgerstande und je ein Viertel dem Adel uud der Geistlichkeit an. Man 
verlangte, das; die Lasten gleichmäßig verteilt würden. Darauf gingen aber die seither 
bevorzugten Stände nicht ein. Man ließ kein Mittel unversucht, dieselben zur Billigkeit 
Zu bewegen. Da erkürten endlich die bürgerlichen Abgeordneten, sie allein seien die 
wahren Vertreter des Volkes, bezeichneten sich als „Nationalversammlung" und 
beschlossen eine Verfassung. Aber die Ereignisse kamen ihren Beschlüssen zuvor. Rohe 
Haufen erstürmten am 14. Juli die Bastille, ein festungsartiges Gefängnis, und metzelten 
die Schweizergarde, welche dasselbe verteidigte, unbarmherzig nieder. Sodann zogen sie 
nach Versailles und nötigten die königliche Familie zur Übersiedelung nach Paris. 
Durch die Nationalversammlung wurde nun die Macht des Königs erheblich beschränkt; 
Adel und Geistlichkeit verloren ihre Vorrechte; die Klöster wurden aufgehoben, die 
Kirchengüter und die Besitzungen des Adels eingezogen und als Nationaleigen¬ 
tum erklärt. Alles dies hatte der friedliebende König gutgeheißen, aber noch war 
man mit dem Erreichten nicht zufrieden. Das Volk wurde immer vermessener und 
achtete weder Gesetz noch Recht. Da der König sich in Paris nicht mehr sicher fühlte, 
entfloh er mit seiner Familie. Nahe der lothringischen Grenze wurde er jedoch beim 
Pferdewechsel von dem Postmeister erkannt, gefangen genommen und wieder nach Paris 
gebracht. Man wies der königlichen Familie den Tempel, ein Schloß des früheren 
Templerordens, als Wohnung an und behandelte 'sie als Gefangene. Schließlich be¬ 
schuldigte man den König des Landesverrats, erklärte ihn für abgesetzt und verurteilte 
ihn zum Tode. Am 21. Jannar 1793 wurde das Urteil vollstreckt. Dasselbe Schicksal 
erlitt seine Gemahlin Maria Antoinette, eine Tochter der Kaiserin Maria Theresia, 
die als Ausländerin besonders verhaßt war. Ihr Sohn wurde einem rohen Menschen, 
dem Schuster Simon, übergeben, der ihn körperlich und geistig zu Grunde richtete. Er¬ 
starb 1795. 
Schreckensherrschast. Nach der^Hinrichtung des Königs begann in Frankreich 
eine wahre Schreckensherrschaft. An Stelle der gesetzgebenden Versammlung trat der 
Nationalkonvent. Dieser übertrug die Regierung an den Wohlfahrtsausschuß, 
an dessen Spitze Marat, Danton, Robespierre und andere Blutmenschen standen. 
Niemand war seines Lebens sicher. Auf den bloßen Verdacht hin, Feinde der Regierung 
Zu sein, wurden Tausende ins Gefängnis geworfen und dem Fallbeil überliefert. Man 
schasste das Christentum ab, plünderte die Kirchen und stürzte die Altäre um. Nicht 
einmal einen Gott sollte es mehr geben; statt dessen verehrte man die Tugend und die 
menschliche Vernunft. Nach einem halben Jahre ordnete Robespierre den Glauben an 
ein „höchstes Wesen" wieder an. Um alles von Grund aus zu ändern, wurde eine 
neue Zeitrechnung, sowie ein neues Maß uud Gewicht eingeführt. Die unmenschlichen 
Gewalthaber wurden endlich von ihren früheren Genossen selber gestürzt und starben 
zum Teil aus demselben Blutgerüst, wo ihre Opfer den Tod gefunden hatten. Nach 
und nach kamen gemäßigtere Leute ans Ruder. Der Nationalkonvent übertrug die
	        

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Müller, Peter, and J. A. Völker. Geschichte. Gießen: Roth, 1898. Print.
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