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Bilder aus den deutschen Kolonien

Bibliografische Daten

Monografie

Persistenter Identifier:
PPN735085161
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-6325665
Titel:
Bilder aus den deutschen Kolonien
Signatur:
GL-II 14(1,08)
Erscheinungsort:
Essen
Verlag:
Baedeker
Dokumenttyp:
Monografie
Sammlung:
Geographieschulbücher Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1908
Ausgabenbezeichnung:
5. - 18. Tsd. [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch
Untertitel:
Lesestücke

Kapitel

Titel:
1. Die Bedeutung der Kolonien für die deutsche Volkswirtschaft
Dokumenttyp:
Monografie
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bilder aus den deutschen Kolonien
  • binder
  • Werbung
  • Titelseite
  • Vorrede
  • Inhaltsverzeichnis
  • 1. Die Bedeutung der Kolonien für die deutsche Volkswirtschaft
  • 2. Wirtschaftliches Leben in unseren Kolonien
  • 3. Kautschuk
  • 4. Die wichtigsten Kautschuk-Gewächse
  • 5. Kopra und die Kokospalme
  • 6. Die Kolanuß
  • Schutzgebiet Togo
  • Schutzgebiet Kamerun
  • Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika
  • Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika
  • Schutzgebiet Kiautschou
  • Schutzgebiet Neu-Guinea und Samoa
  • Werbung
  • Werbung
  • binder

Volltext

— 8 — 
4. Die wichfiglfen Kauffchuk»6ewclch[e. 
An der Spitze aller Kautschuksorten, sowohl in bezug auf die Güte als 
auf die zur Verwendung gelangende Menge steht der Parakantschuk, so ge- 
nannt nach dem brasilianischen Hafen, von-dem aus er fast ausschließlich in 
die Welt geht. Gewonnen wird er aus der Milch eines Wolfsmilchgewächses, 
eines Baumes mit dem botanischen Namen Hevea brasiliensis. Seine Ver¬ 
breitung ist eine im Vergleiche zu anderen Bäumen tropischer Wälder ganz 
ungeheure, sie erstreckt sich von der Mündung des Amazonenstromes bis zu 
seinen Quellgebieten und umfaßt dazu das ganze gewaltige Becken, das seine 
west-südlichen Zuflüsse durchströmen. Der hochwertigste Parakantschuk, von 
dem ein Kilo in Hamburg mit 12,40 Mk. bezahlt worden ist, stammt aus- 
schließlich aus der Milch der Hevea brasiliensis und wird durch ein Räucher- 
verfahren gewonnen, das auf die Herstellung dünner, später zu einem großen 
schwarzen Brote zusammengepreßter Platten hinausläuft. In deutschen Ko- 
lonien ist die Hevea in nennenswerter Menge bisher nur von der Neu-Guiuea- 
Kompagnie angepflanzt worden. Diese besaß 1905 rund 16000 solcher 
Bäume, etwa 1000 möchten in Kamerun in den Pflanzungen zerstreut stehen. 
Brasilien ist in der glücklichen Lage, noch zwei andere Kautschukbäume 
verwerten zu können, die nicht seinen Waldgebieten, sondern der Steppe sich 
nähernden trockeneren Landstrichen angehören. Der eine, Manihot Glaziovii 
liefert den Ceara, der andere den Pernambuco-Kautfchuk. Manihot Glaziovii 
ein Baum, der selten mehr als 12—15 m Höhe erreicht, ist besonders im 
Hinterlande der Provinz Ceara verbreitet, in einem Gelände, das oft ge- 
radezn wüstenartiges Gepräge trägt. Was diesem Baume seine Bedeutung 
gibt, ist feine ganz außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit an fremde Klimate. 
Bereits vor 30 Jahren wurde er nach Singapore überführt und gelangte 
von dort nach Indien, Ceylon, Ostafrika. Als ich vor 12 Jahren in Tanga 
weilte, sah ich in der Umgebung dieser Stadt bereits allenthalben starke, 
reichlich Frucht tragende Stämme; aber sie hatten trotz ihres vorzüglichen 
Gedeihens einen Fehler von allerdings schwerwiegender Art, sie gaben beim 
Anschneiden keine Milch, und damit keinen Kautschuk. Man gab die Kul- 
tureu auf. Neuerdings unterhält wieder die Ostasrikanische Gesellschaft eine 
Pflanzung von 250000 Bäumen, und mehrere andere Gesellschaften haben 
sich gleichfalls auf die Manihot-Pflanzung geworfen. Zwei Umstände haben 
diese Änderung der Anschauungen bewirkt, einmal eine planmäßige Ergrün- 
dnng der Fragen, wann und wo und wie man einen Baum anzuschneiden 
hat, um die Milch fließen zu machen, und dann die Erwägung, daß kaum 
ein anderer Baum in Steppengebieten so mühe- und kostenlos zu vermehren 
und aufzuziehen ist wie dieser. Rechnet man für ihn auch uur 100—250 g 
auf Baum und Jahr, wie es die Erfahrungen der letzten Jahre erwarten 
lassen, dann kommt man immerhin aus einen Ertrag, der durchaus lohnend 
erscheint. Es ist anzunehmen, daß ein sparsam wirtschaftender Pflanzer auf 
das Hektar eiueu Bruttoertrag von 700 Mk. herausschlägt. Für Ostasrika 
ist darum eine Vermehrung der Manihot-Bestände nur zu empfehlen. 
Von allen Kautschukarten, deren sich der Handel bemächtigte, ist die 
älteste eine Sorte, die in Mittelamerika ihre Heimat hat. Sie stammt zu- 
meist von einem Baum, den der Botaniker Castilloa elastica nennt und zur 
Familie der Maulbeergewächse zählt. Der genannte Baum ist einer der
	        

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Bilder Aus Den Deutschen Kolonien. Essen: Baedeker, 1908. Print.
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