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Lesebuch für weibliche Fortbildungs- und Feiertagsschulen

Bibliografische Daten

Monografie

Persistenter Identifier:
PPN799952354
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-12903589
Titel:
Lesebuch für weibliche Fortbildungs- und Feiertagsschulen
Signatur:
RF-II 34(8,06)
Bearbeiter*in/Herausgeber*in:
Lehrerinnen-Verein München
Erscheinungsort:
München
Verlag:
Oldenbourg
Dokumenttyp:
Monografie
Sammlung:
Realienbücher Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1906
Ausgabenbezeichnung:
8. Aufl. [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch

Kapitel

Titel:
III. Aus dem Naturleben
Dokumenttyp:
Monografie
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Lesebuch für weibliche Fortbildungs- und Feiertagsschulen
  • Einband
  • Titelseite
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • I. Das Hauswesen
  • 1-10
  • 11-20
  • 21-30
  • 31-40
  • 41-50
  • 51-60
  • 61-65
  • II. Familienleben - Gesellschaft - Vaterland
  • III. Aus dem Naturleben
  • IV. Land und Leute
  • V. Aus der Geschichte
  • VI. Zu des Geistes und Gemütes Erhebung
  • Einband

Volltext

137. Das Wasser im Haushalte der Natur. 
209 
In dem weichen, sanften Element des Wassers sind die zartesten, 
feinsten Tierarten verwahrt und geborgen, die Polypen, welche die Korallen- 
gebände anlegen, und die vielfachen Formen der gallertartigen Scheiben¬ 
tiere oder Quallen. Überhaupt darf man sagen, daß die unvollkom¬ 
mensten Anfänge des Tierreiches, aus denen gleichsam die höheren, voll¬ 
kommeneren Gestaltungen der Landtiere erst ausgeboren werden, im 
Mutterschoße des Gewässers beschlossen sind. Wasser gibt es freilich viel 
auf Erden; denn mehr als drei Vierteile ihrer Oberfläche sind vom 
Meer bedeckt und Ströme wie Seen und Sümpfe finden sich in den ver¬ 
schiedenen Weltteilen und Ländern in großer Zahl. Dennoch kommt dieses 
wohltätige Element den Landtieren, die nach ihm dürsten, nicht so von selbst 
entgegen wie die Luft, die sie einatmen, sondern es muß von ihnen oft in 
weiter Ferne und mühsam aufgesucht werden. Denn das dampfförmige 
Wasser, das in der Luft schwebt, stillt ihren Durst nicht und das salzige 
Wasser des Meeres, welches ihn nur vermehren würde, ist meist für sie 
ungenießbar. Aber dazu hat der Vogel seine Flügel, das vollkommenere 
Landtier seine rüstigen Füße empfangen, daß es mit Hilfe derselben das 
aufsuchen kann, was ihm fehlt, und in wenigen Minuten ist die Schwalbe, 
die in den Felsenritzen Arabiens nistet, wenn sie der Durst treibt, bei der 
Lache angelangt, in der sich von der Regenzeit her noch einiges Wasser 
erhalten hat; die Herden der schnellfüßigen afrikanischen Gazellen ziehen 
von einem Landstriche zum andern, dem Regengewölke nach, wenn dieses 
jetzt hier, dann dort seine Segensfülle ergießt, und jeden Morgen wie jeden 
Abend finden sie von der fernen Weide her am Tränkplatze sich ein. 
Viel anders als bei den Tieren verhält es sich bei den Gewächsen des 
Landes. Diese können nicht von ihrem Orte hinweg um nach dem Wasser 
zu suchen; sie müssen es abwarten, bis ihnen dieses selber entgegenkommt. 
Und dennoch bedürfen sie des Wassers noch viel mehr-als die Tiere. Denn 
diese finden zum Teil schon in ihrem Futter Säfte, die ihren Durst zu 
stillen vermögen; der Raubvogel im frischen Fleische und Blute der erbeuteten 
Tiere, der Stier und die Gemse in den Stengeln und Blättern der Kräuter. 
Bei der Pflanze dagegen ist das Wasser nicht bloß eine Zugabe zur Speise, 
sondern es ist für sie das Hauptnahrnngsmittel. Und lute die Hausmutter 
ungcrufen und von selber dem nahrungsbedürftigen Kinde naht, so kommt 
das Wasser aus der Luft herab den Pflanzen entgegen; wo viel Wald 
und reiches Grün ist, da gibt es Quellen und Büche und das Regengewölk 
zieht sich am meisten nach der Pflanzenreichen Gegend hin; wo aber der 
Mensch in unbedachtsamem Eifer seines Kulturtriebes oder aus Geldgier 
die Hügel und Täler ihrer Wälder und Gebüsche beraubt hat, da versiegen 
Quellen und Büche und das Land wird zur dürren Einöde. 
Lesebuch für weibliche Fortbildungsschulen. * 14
	        

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Lesebuch Für Weibliche Fortbildungs- Und Feiertagsschulen. München: Oldenbourg, 1906. Print.
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