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[Theil 6] (Theil 6)

Bibliographic data

Multivolume work

Persistent identifier:
PPN81772334X
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-14030913
Title:
Lesebuch für Bürgerschulen
Editor:
Lüben, August (28.01.1804-27.10.1874)
Nacke, Carl (25.06.1821-13.02.1855)
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Brandstetter
Document type:
Multivolume work
Collection:
Readers, pre-1871
Publication year:
1851
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German

Volume

Persistent identifier:
PPN817724400
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-14050941
Title:
[Theil 6]
Shelfmark:
DEG-II 13(14,1874)-6
Author:
Nacke, Carl
Editor:
Lüben, August (28.01.1804-27.10.1874)
Volume count:
Theil 6
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Brandstetter
Document type:
Volume
Collection:
Readers, imperial Germany
Publication year:
1874
Edition title:
14., verb. Aufl. [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German

Chapter

Title:
61. - 80.
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter

Contents

Table of contents

  • Lesebuch für Bürgerschulen
  • [Theil 6] (Theil 6)
  • Binder
  • Title page
  • Vorrede zur ersten und zweiten Auflage
  • Vorrede zur vierten Auflage
  • Inhalts-Verzeichniß
  • 1. - 20.
  • 21. - 40.
  • 41. - 60.
  • 61. - 80.
  • 81. - 100.
  • 101. - 120.
  • 121. - 137.
  • Binder

Full text

187 
zu viel denken, vor denen das furchtloseste aller Gemüther ge¬ 
wankt hat. Die stille Ruhe eines immer gleichen Gesichts ver¬ 
barg eine geschäftige, feurige Seele, die auch die Hülle, hinter 
welcher sie schuf, nicht bewegte, und der List und der Liebe gleich 
unbetretbar war; einen vielfachen, fruchtbaren, nie ermüdenden 
Geist, weich und bildsam genug, augenblicklich in allen Formen 
zu schmelzen; bewährt genug, in keiner sich selbst zu verlieren; 
stark genug, jeden Glückswechsel zu ertragen. Menschen zu durch¬ 
schauen, und Herzen zu gewinnen, war kein größerer Meister als 
Wilhelm; nicht daß er nach der Weise des Hofs seine Lippen 
eine Knechtschaft bekennen ließ, die das stolze Herz Lügen strafte, 
sondern weil er mit den Merkmalen seiner Gunst und Verehrung 
weder karg noch verschwenderisch war und durch eine kluge Wirth¬ 
schaft mit demjenigen, wodurch man Menschen verbindet, seinen 
wirklichen Vorrath an diesen Mitteln vermehrte. So langsam 
sein Geist gebar, so vollendet waren seine Früchte; so spät sein 
Entschluß reiste, so standhaft und unerschütterlich ward er voll¬ 
streckt. Den Plan, dem er einmal als dem ersten gehuldigt 
hatte, konnte kein Widerstand ermüden, keine Zufälle zerstören, 
denn alle hatten, noch ehe sie wirklich eintraten, vor seiner Seele 
gestanden. So sehr sein Gemüth über Schrecken und Freude 
erhaben war, so unterworfen war es in der Furcht; aber seine 
Furcht war früher da, als die Gefahr, und er war ruhig im 
Tumult, weil er in der Ruhe gezittert hatte. Wilhelm zerstreute 
sein Gold mit Verschwendung, aber er geizte mit Secunden. 
Die Stunde der Tafel war seine einzige Feierstunde, aber diese 
gehörte seinem Herzen auch ganz, seiner Familie und der Freund¬ 
schaft; ein bescheidener Abzug, den er dem Vaterlande machte. 
Hier verklärte sich seine Stirn beim Weine, den ihm fröhlicher 
Muth und Enthaltsamkeit würzten, und die ernste Sorge durfte 
hier die Jovialität seines Geistes nicht umwölken. Sein Haus¬ 
wesen war prächtig; der Glanz einer zahlreichen Dienerschaft, die 
Menge und das Ansehn derer, die seine Person umgaben, mach¬ 
ten seinen Wohnsitz einem souveränen Fürstenhofe gleich. Eine 
glänzende Gastfreiheit, das große Zaubermittel der Demagogen, 
war die Göttin seines Palastes. Fremde Prinzen und Gesandten 
fanden hier eine Aufnahme und Bewirthung, die Alles übertraf, 
was das üppige Belgien ihnen anbieten konnte. Eine demüthige 
Unterwürfigkeit gegen die Regierung kaufte den Tadel und Ver¬ 
dacht wieder ab, den dieser Aufwand auf seine Absichten werfen 
konnte. Aber diese Verschwendungen unterhielten den Glanz 
seines Namens bei dem Volke, dem nichts mehr schmeichelt, als 
die Schätze des Vaterlandes vor Fremdlingen ausgestellt zu sehen, 
und der hohe Gipfel des Glücks, worauf er gesehen wurde, er¬ 
höhte den Werth der Leutseligkeit, zu der er Herabstieg. Nie-
	        

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Nacke, Carl, and August Lüben. [Theil 6]. Leipzig: Brandstetter, 1874. Print.
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