H.M der Matur.
99. Der Fuchs.
Friedrich von Tschudi. Das Tierleben der Alpenwelt. Leipzig.
Der Fuchs ist das gemeinste Raubtier unserer Berge, aber
feiner in Tracht und Haltung als seine Vettern, Hund und Wolf,
vorsichtiger, berechnender, behender als jene, von großem Ge¬
dächtnis- und Ortssinne, erfinderisch, geduldig, entschlossen,
gleich gewandt im Springen, Schleichen, Kriechen und Schwimmen.
Die Füchse sind in Berg und Tal, in Wald und Feld trotz aller
Fallen und Jagden außerordentlich häufig und in der Tat un¬
ausrottbar. Ihre ganze Lebensweise und vor allem ihre wunder¬
bare Schlauheit schützt sie vor gänzlicher Vertilgung. Sie wühlen
ihre Löcher und Höhlen sehr vorsichtig. Geht es an, so graben
sie sich diese nicht selber, da sie einförmige und mühsame Arbeit
nicht lieben. Gewöhnlich muß der fleißige und trüblaunige Ein¬
siedler Dachs, durch arge Kriegslisten gezwungen, seinen bequemen
Bau verlassen, und kaum ist der borstige Eigentümer schnarrend
und grunzend aus dem behäbigen Hause abgezogen, so nimmt
der lauernde Räuber von der geräumigen Wohnung Besitz. Selten
begnügt sich indessen der Fuchs mit einer einzigen Wohnung;
meist hat er eine zweite oder eine dritte, wohin er sich zur Zeit
der Verfolgung zurückziehen kann. Dahin aber flüchtet sich der
Fuchs nicht auf dem nächsten Wege, sondern auf bedeutenden
Umwegen, um Hunde und Jäger zu täuschen.
In dem Bau, der mehrere tiefliegende Kessel, Kreuzgänge
und Auswege hat, bekommt die Füchsin im Mai fünf bis neun
Junge, die sie mit aller Behutsamkeit bewacht und pflegt. Nach
etlichen Wochen führt sie die netten gelblichen Tierchen hinaus,
spielt mit ihnen, bringt ihnen Vögelchen, Eidechsen, Frösche,
Käfer, Mäuse, Heuschrecken, Regenwürmer und lehrt sie, die
Tiere fangen, quälen und verzehren, trägt aber die Kleinen bei