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uns am meisten aufhalten, sollen daher möglichst viel Sonne erhalten. (Lage,
Blendladen, Vorhänge?). Koch- und Eßgeschirre müssen peinlich sauber gehalten
werden. Auch bei der Auswahl, Zubereitung und Aufbewahrung der Nahrung
lege man auf Reinlichkeit das größte Gewicht. Wunden wasche man vorsichtig aus
und umwickele sie nur mit einem mit etwas Karbolsäure durchtränkten Leiueulappeu.
Bei ansteckenden Krankheiten benutze der Kranke besondere Geschirre, die auch
beim Spülen mit den andern nicht in Berührung kommen dürfen. Auswurf und
Entleerungen der Kranken sind sofort und möglichst gefahrlos zu beseitigen.
Jede unnötige Berührung mit dem Kranken vermeide man (Atem! Schweiß!).
Besuche der Familienmitglieder sind möglichst zu unterlassen; Kinder dürfen das
Krankenzimmer nicht betreten. Ter Krankenpfleger wasche sich nach jeder näheren
Berührung mit dem Kranken Gesicht und Hände mit Wasser, dem man eine
Lösung von Karbolsäure, Lysol, Sublimat oder ein anderes desinfizierendes Mittel
zugesetzt hat. Das Krankenzimmer werde anfgewischt, nicht gefegt; beim Abstauben
der Möbel ist Staubaufwirbelung möglichst zu vermeiden. Kleidungsstücke sollen
i im Schranke, nicht am Mantelhaken hängen. Kann der Pfleger den Verkehr mit
den Familiengliedern nicht vermeiden, so hüte er sich vor jeder unmittelbaren
Berührung mit ihnen; vor dem Verlassen des Krankenzimmers wasche er sich
und wechsle wenigstens die Oberkleider. Jede Krankheit macht je nach ihrer Art
noch besondere Vorsichtsmaßregeln notwendig. Man frage daher den Arzt um
seinen Rat und richte sich genau nach seinen Vorschriften. Ist die Krankheit
vorüber, so muß das Krankenzimmer mit allem, tvas darin war, desinfiziert
werden. Am sichersten und billigsten läßt man das durch einen Desinfektor
besorgen, der von der Gesundheitspolizei hierfür besonders angestellt ist. Will
man es aber selbst besorgen, so werden Tapeten oder Wandanstrich am besten er¬
neuert. Der Fußboden, die Fußleisten, sowie Türen und Fenster seift man ab,
wobei man der Lauge ein Desinfektionsmittel (Lysol, verdünnt) zusetzt. Bettstelle,
Schränke, Stühle usw. werden mit einem Desinfektionsmittel abgerieben. Bett-
und Leibwäsche, sowie Handtücher, Taschentücher lasse man mehrere Stunden
kochen und dann in Karbolwasser legen. Die Betten und andere Sachen, die keine
Nässe vertragen, müssen in einer Desinfektionsanstalt durch Dämpfe gereinigt
werden. Halbe Arbeit ist vollständig nutzlos.
Die Moknung.
Tie Wohnung, ursprünglich eine Zuflucht gegen die Unbilden der Witterung
wie gegen wilde Tiere und Verfolger, ist im Laufe der Zeit eine Heimstätte ge¬
worden, in der der Mensch sich wohl fühlen soll, eine geheiligte Stätte inneren
Friedens. Soll die Wohnung diesen' Zweck erfüllen, so muß sie nach Lage, Be¬
schaffenheit und Einrichtung den Anforderungen der Gesnndheitslehre entsprechen.
Tie Wohnung muß eine freie, luftige Lage haben, wenn möglich fern von Morästen,
Sumpfen und Fabriken. Eine Wohnung in einem neuen Hause beziehe man nicht
eher, bis dieses vollständig trocken ist. Feuchte Wohnungen behindern die Er¬
neuerung der Luft in hohem Grade, entziehen den Bewohnern die notwendige
Wärme und haben rheumatische Schmerzen aller Art, sogar Gelenk- und Nieren¬
leiden, zur Folge. Besonders gefährlich ist es, in feuchten Zimmern oder in der
Nähe einer feuchten Wand zu schlafen. Ein gefährlicher Feind der Gesundheit ist
der Hausschwamm, dessen sckmelle Verbreitung durch die Feuchtigkeit sehr begünstigt
wird. Das geräumigste und luftigste Zimmer benutze man als Schlafstube, nicht
als sogenanntes „bestes Zimmer". Die Zimmerwärme betrage etwa 1?o E.; für
das Schlafzimmer genügt eine Temperatur von IM 0. Bei der Ofenheizung
verhindere man das Ausströmen des giftigen Kohlenoxydgases; deshalb heize
man den Ofen nicht zu stark und mache die TüL des Aschenhalters und den
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