Full text: Größeres Lesebuch für Fortbildungsschulen in Stadt und Land

35. 
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Da liegen sĩie, da schlafen sie 
den ehrenreichon Schlaf, 
wie sie der Blitz der Batterie, 
der Sabeolhiob sie trat. 
Doch — über ihren Häuptern fliegt 
die Fahne hoch im Wind, 
und König Wilbelm hat gesiegt, 
und Deutschland — das gewinnt. 
38. Meister Erwins Heerschau. 
Zur mitternächtigen Stunde 
da regt sich's zu Straßburg im Dom; 
es stelgen die Bauherrn zur Zinne 
und schauen hinüber zum Strom. 
Und unter ihnen der Meister 
ruft weit ins Land hinein: 
„Wann kommen die Deutschen wieder, 
du aller Vater Rhein? 
Wann hallt in den Gassen drunten 
der deutschen Rosse Huf? 
Wann ragt in Deutschland wieder 
das Bauwerk, das ich schuf? 
Wann werden die Retter kommen, 
daß endlich der Bann zerreißt? 
Daß frei von den welschen Banden 
sproßt wieder der deutsche Geist?“ 
Er rief es seit langen Jahren; 
er rief es in jeder Nacht; 
doch die Wellen zogen vorüber, 
sie hatten sein nicht acht. 
Sie zogen seit langen Jahren 
an Straßburgs Wällen vorbei; 
doch die Deutschen schliefen und zankten, — 
und Straßburg ward nicht frei! 
Zur mitternächtigen Stunde 
ruft wieder der Meister einmal; 
er ruft es mit lauter Stimme 
hinauf und hinab durchs Thal. 
Und horch, es regt sich und flüftert 
und bebt durch das deutsche Land 
herab von Helvetiens Bergen 
bis fern zum Meeresstrand. 
Da tönt es wie freudiges Rufen 
herauf aus dem wogenden Strom, 
und über die Wälle und Zinnen 
erklingt es hinauf zum Dom: 
Sie kommen, alter Geselle! 
Es werden die Deutschen wach; 
sie kommen aus allen Gauen 
zu sühnen die alte Schmach! 
Sie haben des Zanks vergessen; 
es waͤllt und siedet ihr Blut; 
sie lommen und wollen sich rächen 
am welschen Übermut! 
So klingt's, und es murmeln die Wellen 
und rauschen von Gau zu Gau; 
da bebt vom innersten Grunde 
der alte steinerne Bau. 
Zur mitternächtigen Stunde 
am Turme der Meister steht 
und mit den Gesellen allen 
ins Reich hinaus er späht. 
Und sieh', da gleißt es und blitzt es, 
und rasselt und trabt durch die Nacht: 
Es zieht in langen Reihen 
herüber die deutsche Macht. 
Sie ziehen in hellen Haufen, 
sie schreiten über den Rhein, 
sie wallen am Dom vorüber 
ins Land der Welschen hinein 
Und es drängt sich und wogt und wimmelt 
in endlosen Längen nach; 
die Deuischen kommen und sühnen 
vielhundertjährige Schmach! — 
Lang steht entzückt der Meister 
und schaut und lauscht hinab; 
dann steigt er mit seinen Gesellen 
hinunter in sein Grab; 
Dann legt er sich ruhig nieder 
am alten deutschen Strom; 
denn deutsch ist wieder sein Boden, 
und deutsch ist wieder sein Dom! 
Otto Hörth.
	        
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