Object: Die Hauptereignisse der römischen Kaiserzeit, Deutsche Geschichte bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (Teil 5)

§97. 
Karl V. und der Reichstag zu Worms. 
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zur Unterzeichnung vorlegten, worin er sich u. a. verpflichtete, ohne ihre 
Zustimmung keinen Reichskrieg zu führen und kein fremdes Kriegsvolk nach 
Deutschland zu bringen, die Reichsämter nur mit Deutschen zu besetzen, keine 
Reichstage deutscher Nation außerhalb des Reiches zu halten und in öffent- 
lichen Reichsverhandlungen und Schriften keine andere als die deutsche Sprache 
anwenden zu lassen. Diese „Wahlkapitulation" wurde damals zum erstenmal 
aufgestellt und ist seitdem bei allen späteren Wahlen in Gebrauch geblieben. 
Die wichtigste Frage war die, wie sich Karl zu Luther stellen würde. Karl und 
Er ließ die Deutschen darüber nicht lange im Zweifel. Sobald die Bann- £ut6er- 
bulle erschienen war, ließ er sie in den Niederlanden veröffentlichen und 
Luthers Bücher verbrennen. Ein gläubiger Sohn seiner Kirche, ist er trotz 
politischer Streitigkeiten mit dem Papste an ihr niemals irre geworden; die 
deutsche Reformation hatte an ihm ihren stärksten und entschiedensten Gegner. 
Auf dem Reichstage zu Worms (1521) forderte der päpstliche Reichstag zu 
Legat Aleander Luthers Verurteilung ohne Verhör. Da aber Karl ders*50™51521- 
Unterstützung der Stände in dem drohenden Kriege mit Frankreich be- 
durfte, gab er ihrem Wunsche nach einem Verhör Luthers nach. Luther 
folgte der Ladung und bekannte sich vor dem Reichstage in längerer Rede 
zu dem Inhalt seiner Schriften und erklärte unumwunden, daß er sich 
weder der Autorität des Papstes noch der eines Konzils unterwerfen 
könne, sondern Widerlegung aus der Heiligen Schrift oder durch klare 
Gründe der Vernunft fordere. Verhandlungen, die noch acht Tage lang 
mit ihm geführt wurden, hatten kein anderes Ergebnis. Nach seiner Abreise 
erließ der Kaiser das Wormser Edikt; es forderte die Auslieferung 
Luthers, die Verbrennung seiner Schriften und die Unterdrückung feiner Lehre. 
Für Luthers Sicherheit besorgt, hatte Friedrich der Weise angeordnet, Luther auf 
daß er eine Zeitlang auf einem feiner Schlöffer verborgen gehalten werde. ber6u®art= 
Luther verlebte das folgende Jahr als „Junker Jörg" aus der Wart- 
bürg, indem er mit seinen Wittenberg er Freunden in Briefwechsel stand 
und in den Kampf des Tages durch Streitschriften eingriff. Zuletzt wandte 
er sich der Übersetzung des Neuen Testamentes aus dem griechischen 
Urtexte ins Deutsche zu. 
Sie erschien 1522 im Druck; die Übersetzung des Alten Testamentes Die Bibel- 
wurde nach und nach 1523 bis 1534 veröffentlicht. — Die Bibelübersetzung Ubersetzung, 
ist Luthers größte literarische Tat. Zwar wurde durch die Reformation darum, 
weil sie nicht in allen deutschen Landen durchgeführt wurde, dauernd die 
Nation kirchlich gespalten, und bei der engen Verflechtung geistlicher und 
weltlicher Angelegenheiten folgte der kirchlichen Spaltuug notwendig die 
politische (vgl. § 101). Andrerseits hat Luthers Bibelübersetzung den 
Gegensatz zwischen Nord- und Süddeutschland gemildert, indem sie den 
Niederdeutschen endgültig eine hochdeutsche Schriftsprache gab. Sie hat auch 
in dieser Hinsicht den Grund zu der neueren deutschen Literatur und zu 
der Einheit des geistigen Lebens gelegt, deren wir uns gegenwärtig erfreuen. 
Luther hatte feiner Tätigkeit, mit der er die kirchlichen Lehren um- Die 
zubilden suchte, zwei Schranken gezogen, das Wort der Heiligen Schrift sg^™taerrm' 
und die klaren Gründe der Vernunft. Weit verbreitet aber waren damals
	        
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