Full text: Leitfaden der Weltgeschichte

Kap. 68. Der dritte pun. Krieg. Die span. Kriege. Kap. 69. Rom. Bild. t. d. Periode. 67 
gann gegen sie den drittm punischen Krieg. Um den Krieg abzuwenden, 149 
stellten die Karthager Geiseln und lieferten den römischen Consuln, die an der 
Spitze eines Heers in Afrika gelandet waren, ihre Waffen aus. Als ihnen 
aber die Räumung ihrer Stadt befohlen ward, weil sie zerstört werden müsse, 
da faßten sie den Entschluß, sich auf's äußerste zu vertheidigen. 
Zwei Jahre lang konnten die Römer gegen die mit dem Muth der Ver- 
zweiflung kämpfenden Karthager nichts ausrichten, bis P. Corn. Scipio 
Aemilianus, des großen Scipio Adoptivenkel, erschien und die Stadt durch 
Abschneidung ihrer Verbindung mit dem Land und Meer eroberte und 146 
gänzlich zerstörte. 
Hierauf wurde das ganze karthagische Gebiet unter dem Namen Afrika zur römi- 
schen Provinz gemacht, und Scipio erhielt den Ehrenbeinamen Africanus 
Minor. 
Weil nun in Spanien noch immer einige Völkerschaften, namentlich die 
Lusitaner unter dem tapfern Piriatljus, den römischen Waffen widerstan- 
den, und besonders die mit den Lusitanern verbündete celtiberische Stadt 
Numantia indem numa ntinischen Kriege (141—133) unbesiegt trotzte, 
so übernahm Scipio, der Besieger Karthago's, die völlige Unterwerfung der 
spanischen Halbinsel, welche fortan römische Provinz wurde. Der Besieger 
Numantia's trug fortan den Namen P. Cornelius Scipio Aemilianus 
Africanus Numantianus. 
In dem gleichen Jahre (133) wurde Rom durch das Vermächtniß des reichen Königs 
Attalus III. von Pergamum Erbin d es pergamenischen Reich s, das nun 
unter dem Namen Asia auch eine römische Provinz ward. 
Kap. 69. BildungLstand der Römer in der Periode der Mimischen Kriege, 
Die nahe Berührung der Römer mit den Griechen während ihrer Eroberungskriege 
im Osten und die Bekanntschaft mit der reichen griechischen Literatur hatte auch 
einen großen Einfluß auf die römische Bildung und Literatur, wiewohl die 
Gecheserzeugnisse der Römer lange nur auf bloßer Nachahmung griechischer Muster 
beruhten. Die römische Comödie wurde in dieser Periode durch den witzigen Platt« 
tus (t 184) und den durch feine Charakterzeichnung ausgezeichneten Terentius 
(196—159), die epische Dichtkunst durch Ennius (239—169) angebaut. Die Zeit 
vom zweiten punischen bis zum dritten macedonischen Krieg beschrieb der Grieche Po- 
lybius (208—127), ein Freund des Scipio Africanus Minor. Mit besonderer Vor¬ 
liebe wandten sich die Römer der griechischen Philosophie und der Disputirkunst 
zu, welche wohl ihrer Beredtsamkeit, aber nicht ihrer Moral Vortheil brachte. Doch gab 
die stoische Philosophie ernsteren Naturen beim Einreißen des reliqiös-sittlichen 
Verfalls noch einigen Anhalt. 
3. Roms Entartung. 
(Umriß I. 71-74.) 
Kap. 70. Die graechischen Reformversuche. Der jugurthinische und 
cimbrische Krieg- 
(1.) Roms Herrschaft hatte sich nach Osten und Westen zu einem Welt- 
reich ausgedehnt, und umfaßte eine Menge von Provinzen, deren Reichthümer 
und Bildung, .Talente und Laster nach der Hauptstadt strömten und hier 
eine völlige Umwandlung der Sitten hervorbrachten. Der Uebechuß und die 
Schwelgerei hatte die alte Einfachheit verdrängt, die Habsucht und Genuß- 
sucht den alten strengen Rechtssinn in solchem Grad gebeugt, daß das errun- 
gene Gleichgewicht der bürgerlichen Rechte nicht länger bestehen konnte. 
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