Der Greis verläßt den Ofensitz
Und freut sich derkommenden Sommerhitz',
Um die er sich halb krank gehärmt,
sh Und fühlt im Geist sich schon erwärmt.
Großmütterlein wankt auch herfür:
Mr Enkelein führt sie vor die Thür;
Sie guckt; allein der Augen Licht
MN shwach, sie sieht den Vogel nicht.
b0 Doch weckt der lärmende Musikus
Der Rückerinnerung Vollgenuß
In ihrer Seele; mit Innigkeit
Erzählt sie, wie sie sich als Kind gefreut.
Was läuft so der Wirt in sein Keller—
4 lein?
db Er zapft im voraus Bier und Wein.
Heul' kriegt er alle Tische voll,
Weiß nicht, wo er schenken und wehren
Denn immer tont's da: „Wirt, komm
er
Dem e zu Ehren ein Schöpplein
mehr!“
0 Heut wird kein Mann vom Weib gezankt,
Wenn er auch mäandrisch zum Lager
wankt.
Der Bettelvogt hat, wie sich's gebürt,
Ein Hudelpack aus dem Thor geführt.
Auf anmal hält seinen amtlichen Lauf
G Das Freudengelärm des Trompeters auf;
Und wahrend am Himmel hafletsein Bch,
Kuft pflffig das dac in die Sladt zuruck
R bringt das Betteln reichen Gewinn:
Denn wohnet die Freude in Herz und
66 Sinn,
00 Gar willig die Hand ein Gäblein reicht.
Ach seht! selbst Harpax drückt, erweicht,
Nachden er es zehenmal falsch erfand,
Das Kreuzerlein in des Blinden Hand,
Sing nach der Trompete dann vor sich
her:
icß, Trara! Lichter, kein Heizen mehr.“
Dort wohnt ein Maler unterm Dach,
Schwenkl auch dem Vogel sein Käppchen
nach,
Gebannt ins dunkle Kämmerlein,
nd ihm sein Pinsel bald zur Pein.
ebt glückt's ihm wieder im ersten Strich,
Was ngslich und mühsam zusammen er
strich;
Malt wieder und zart zuglein
Sein Kopf wird an Ieen reich,
Wenn wieder n Gottes reiner Luft
63
4
115 Die Blumen ihm lachen, der Finke ihm
ruft.
Laut schlägt sein Herz und frei und froh;
Er singt in dulei jubilo.
Und mit ihm singt aus Mund und Herz,
Schickt Dankgebetlein himmelwärts
120So manches Weib, so mancher Mann,
Der wieder sein Brot verdienen kann.
Und, mein Herr Doktor X., auch du
Rufst fröhlich dem Storch ein Vivat zu:
Es litt dein Ruhm gewaltig Noth,
125 Ging schier mit deiner Kunsi kapot:
Jetzt bringt der Storch dir die Panacee
Für deinen Kredit und der Kranken Weh.
Und überall, wohin man sieht,
Die Freude in jeglichem Auge glüht.
130 Heut läßt der Advokat die Kniff',
Der Müller seinen Meistergriff;
Der Bäcker gewichtige Brote backt
Der Metzger den Speck vom Fleisch nicht
hackt;
Der Wirt vergißt den Wasserquell,
135 Und Meister Ziegenbart die Höll'.
Und der hochweise Magistrat
Sich auf dem Rathhaus versammelt hat,
Saß eben da mit finsterm Gesicht
Und hielt ein Malefizgericht.
140 Ward kürzlich ein neuer Galgen erbaut,
Den männiglich mit Vergnügen beschaut;
Doch manchem beim Vorübergehn
Der Wunsch entschlüpft, ihn staffiert zu
sehn.
Das wünscht voraus die Wacht der Stadt,
145 Die stets den Defekt vor Augen hat,
Mit Argusaugen drum vigiliert,
Ob nichts Verdächtiges durchpassiert.
Da schlottert ein wanderudes Schneider⸗
lein
Vor kurzem beim Zwielicht zum Thor
herein,
150 Das stracks der Wächter zum Schultheiß
schleppt,
Weil es beim „Wer da?“ zusammen—
gebebt.
Das wird sogleich in den Turm geführt
Und vom Profosen visitiert;
Der findet, daß auf dem Schulterblatt
155 Er eine verdächtige Narbe hat.
Der glückliche Fund wird rapportiert
Und examiniert.
Allein das Zeichen, das da steht,
Gleicht keinem Buchstab von Abis 3.