Nikolaus Lenau.
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Oft streicht' ich es, dann lacht er traun,
Nennt mich „seine alberne Barbe."
Er ist nicht schwarz, nicht blond, nicht braun.
Nun ratet, wie nennt sich die Farbe?
2. Und seine Gebärde ist königlich.
Geht majestätisch zu Herzen,
Zuckt er die Braue, dann fürcht' ich mich
Und möchte auch weinen vor Schmerzen.
Und wieder seh' ich sein Lächeln blühn.
So klar wie das reine Gewissen,
Da möcht' ich gleich auf den Schemel knien
Und die guten Hände ihm küssen.
3. Heut bin ich in aller Früh erwacht
Beim ersten Glitzern der Sonnen,
Und habe mich gleich auf die Sohlen gemacht
Zum Hügel drüben am Bronnen;
Erdbeeren fand ich, glüh wie Rubin,
Schau, wie im Korbe sie lachen!
Die stell' ich ihm nun an das Lager hin.
Da sieht er sie gleich beim Erwachen.
4. Ich weiß, er denkt mit dem ersten Blick:
Das that meine alberne Barbe!
Und freundlich streicht er das Haar zurück
Von seiner rühmlichen Narbe,
Ruft mich beim Namen und zieht mich nah,
Daß Thränen die Augen mir trüben;
Ach, er ist mein herrlicher Vater ja,
Soll ich ihn denn nicht lieben, nicht lieben!
MlwlauF Lenau.
(Wll. Franz Mcmbsch, Edier von Strehlenau.)
Gedichte. 1. u. 2. Bd. Stuttgart. 1856. I. G, Cotta.
106. Liebesseier.
. An ihren bunten Liedern klettert 2. Da sind, so weit die Blicke gleiten.
Die Lerche selig in die Luft; Altäre festlich aufgebaut,
EinJubelchorvonSängernschmettert Und all' die tausend Herzen läuten
Im Walde, voller Blüt' und Dust. Zur Liebesfeier dringend laut.