61. Die Lärche.
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Oberhalb Mittenwald kommt die Isar ans Tirol, wo
sie ihre Quellen hat. Sie entspringt nämlich imKarwendel-
gebirg am Heisenkopf, tritt jedoch schon nach einem
Lauf weniger Stunden beim Scharnitzpasse in unsern Kreis.
Sie fließt in nordöstlicher Richtung; die Länge ihres Laufes
beträgt 47 Meilen. Die Isar ist ein echtes Kind der Alpen:
klar, smaragdhell, rasch. Isara, die Reißende, schnell Wan¬
delnde, heißt sie in der Sprache der Kelten, jenes unterge¬
gangenen Volkes, das ciu|t das südliche Bayern bewohnte.
(Zeichnen des Flusses'von München bis zu seiner Quelle Be¬
schreiben.)
61. Die Lärche.
Die Lärche ist so recht ein Luft- und Lichtbaum
und ein freudiger Sohn der Berge. In einer Höhe von
1000 und selbst 1800 Metern über dem Meere, wo
kein Baum mehr gedeiht und nur Sträucher noch fort¬
kommen, da erhebt noch die Lärche ihren schlanken,
hohen Stamm und lässt die feinen, zartbenadelten
Zweige wie eine Frühlingsfahne mutig in den rauhen
Bergwinden wehen. Ja, um ihre vollendete Schönheit
und Majestät recht zu entfalten, fordert sie geradezu
eine rauhe Lage; in dem warmen Klima der Ebene,
in den Baumgärten, wo sie als Zierdebaum gepflanzt
wird, kränkelt sie und erlangt nie das kräftige Aus¬
sehen wie auf den Bergen, und verfällt meistens einem
frühen Tode.
In der Jugend wächst die Lärche am schnellsten.
Ihr Stamm macht an seinem untern Ende von der
Wurzel aus oft eine Biegung und steigt erst dann senk¬
recht empor. Dieser säbelförmige Wuchs beeinträchtigt
einigermassen den Bauholzwert des Lärchenstammes.
Die Rinde ist rauh und rissig, und soweit sie nicht,
was meist der Fall ist, von Flechten verhüllt wird,
braungrau.
Die Krone der Lärche ist pyramidal mit dünnen,
weit ausgreifenden, meist fast horizontalen, am Ende
aufwärts gebogenen Ästen, an welchen die feinen Ver¬
zweigungen abwärts hängen (1). Der Gipfeltrieb ist oft
ausserordentlich lang und hängt, da er meist auch sehr
dünn ist, oben über. — Die Nadeln (2) stehen an den