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Bald jagte ich in den Hof ein. Das Haus war in allen Fenstern
beleuchtet; ein Geräusch und Gepolter war, und Leute eilten hin
und her nach allen Ecken und Winkeln.
„Geschwind, Weierle, geh her!" ries es mir von der Tür aus
;u, und es war die Stimme der Ahne. Ich lief in das Haus —
was hab' ich gehört? Aleinkindesgeschrei.
„Ein Brüderlein hast kriegt," ries die Ahne, „das hat ein Engel
vom Himmel gebracht!"
So war es. Mutter lag schon im Bette, und sie hielt das
winzige Uindlein an der Brust.
Ein Engel vom Himmel! ja ich habe ihn fliegen gesehen.
„Ahndl," sagte ich, „es ist nicht wahr, daß Sterne fallen, lauter
Engel sind es, die mit Aindlein niederfliegen vom Himmel!"
2.
Wieder ein andermal faß ich mit der Ahne auf der hölzernen
Bank unter den Tannen.
„Guck, mein Bübel," sagte sie, gegen das funkelnde Firmament
weisend, „dort über das Hausdach hin, das ist dein Stern."
Ein helles, flimmerndes Sternchen stand oft und auch heute
wieder über dem Giebel des Hauses; aber daß selbes mein Eigen¬
tum wäre, hörte ich nun von der Ahne das erstemal.
„Freilich," belehrte sie weiter, „jeder Mensch hat am Himmel
seinen Stern, das ist sein Glücksstern oder sein Unglücksstern. Und
wenn ein Mensch stirbt, so fällt sein Stern vom Himmel."
Todeserschrocken war ich, als gerade in diesem Augenblicke vor
unseren Augen eine Sternschnuppe sank.
„Wer ist jetzt gestorben?" fragte ich, während ich sogleich schaute,
ob mein Sternchen wohl noch über dem Dachgiebel stehe.
„Uind," sagt die alte Ahne, „die Welt ist weit, und hätten wir
nur Ohren dazu, wir täten Tag und Uacht nichts hören, a!s
Totenglockenklingen."
Focht mich dieweilen nicht an.
„Ahndl," fragte ich, „Ahndl, wo hast denn du deinen Stern?"
„Mein Aind," antwortete sie, „der ist schon völlig im Aus¬
löschen, den sieht man nimmer."
„Und ist das ein Glücksstern gewesen?"
Da schloß sie mich an ihre Brust und hauchte: „Wird wohl so
sein, du herzlieber Enkel, wird wohl so sein!"
Peter Rosegger.