Full text: Lesebuch für die Oberklassen der Volksschulen des Regierungsbezirks Oberpfalz

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heit, und wäre er sein geschworener Feind. Erst nach drei 
Tagen wird er vom Beduinen gefragt, ob er ihn länger mit 
seiner Gegenwart zu beehren gedenke, und es ist nun der 
Fremde verbunden, ihm bei der Warte seiner Herde an die 
Hand zu gehen. Es läßt sich leicht denken, daß da, wo die 
Aräber von den Fremden nur zu oft heimgesucht werden, 
die Gastfreundschaft etwas lauer wird; die Gier nach Geld 
wächst bei den Wüstensöhnen und Betrug, Raub und Plün— 
derung kommen nicht selten vor. Der kriegerische Beduine 
führt beständig seinen Säbel und eine Flinte mit sich, da 
bei seinem Volke die Blutrache noch gilt. 
Das Dasein des Aräbers ist an das Kamel gekettet; 
es ist sein Reichtum seit Abrahams Zeiten. Es ist zwar 
häßlich von Gestalt, nimmt aber mit Disteln und elendem 
Gestrüpp der Wüste vorlieb und frißt nicht mehr als ein 
Esel. Sein Pansenmagen nimmt fast einen Eimer Wasser 
auf, welches das Tier wieder an die Kehle befördert um 
den brennenden Durst zu löschen. Außerdem ist sein Geruch 
so fein, daß es das Wasser auf eine halbe Stunde Ent— 
fernung wittert und dadurch schon manche Karawane vor 
dem Verschmachten gerettet hat. 
Der Beduine gebraucht das Kamel, Dromedar genannt, 
zum Reiten und Lasttragen und es wird von den Ägyp— 
tern bst an den Pflug gespannt. Es läßt sich 5-12 Zentner 
Hand ut auflegen, womit es ebenso viele Meilen ohne 
Peitsche und ohne Sporn läuft, am liebsten bei Musik, Ge— 
sang und Erzählung. Ein Kamel oder Pferd zu schlagen, 
kommt bei den Aräbern gar nicht vor und es könnte sich 
mancher rohe Christ daran ein Beispiel nehmen. Bricht der 
Aräber sein Zelt ab, so legt er es mit dem Wasserschlauche 
und allem Hausgeräte auf sein Dromedar und in einen 
über einen Meter breiten Korb bringt er noch die alten 
Personen oder kleinen Kinder. Die Europäer müssen das 
Reiten erst gewöhnen; denn das Kamel hat einen gar eigen— 
tümlichen Gang, so daß der Reiter stets mit dem Kopfe 
nickt. Nun wird das arme Tier auch noch gemolken; denn 
seine Milch ist sehr nahrhaft und gibt Käse, Butter und 
Branntwein, und wird es am Ende geschlachtet, so liefert 
besonders der Höcker einen fetten Bissen. Der getrocknete 
Mist des Tieres ist das einzige Feuerungsmittel. Bequemer 
zum Reiten ist freilich das zweihöckerige Trampeltier, 
aber es ist auch weniger schnell und ausdauernd.
	        
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