9. Wächterruf.
. Höret, was ich euch will sagen! 4. Höret, was ich euch will sagen!
Die Glock hat zehn geschlagen. Die Glock' hat eins geschlagen.
Jetzt betet, und jetzt geht ins Bett, Und wo mit Satans Will' und Rat
und wer ein gut Gewissen hat, ein Dieb auf dunkeln Pfaden naht:
schlaf' sanft und wohll Im Himmel — ich will's nicht hoffen, doch ge—
wacht schieht's —
ein heiter Aug' die ganze Nacht. Geh heim, der Richter droben sieh's!
2. Höret, was ich euch will sagen! b. Höret, was ich euch will sagen!
Die Glock hat elf geschlagen. Die Glock' hat zwei geschlagen.
Und wer noch bei der Arbeit schwitzt, Und wem schon wieder, eh's noch tagt,
und wer noch bei der Karte sitzt, die schwere Sorg' am Herzen nagt,
dem sei's zum letztenmal gesagt: du armer Tropf, so quäl dich nicht:
's ist hohe Zeit! — nun gute Nacht! Gott sorgt; er weiß, was dir gebricht.
3 Höret, was ich euch will sagen! . Höret, was ich euch will sagen!
Die Glock hat zwölf geschlagen. Die Glock' hat drei geschlagen.
Und wo noch in der Mitternacht Die Morgenstund' am Himmel schwebt,
ein Herz in Schmerz und Kummer wacht, und wer in Ruh den Tag erlebt,
Gott geb' dir eine stille Stund', dank' Gott und fasse frohen Mut.
mach' froh dich wieder und gesund! Geh ans Geschäft — und halt dich gut!
Hebel.
II.
1. Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes.
Auch gegen Tiere soll der Mensch nicht undankbar sein wie
jener Kaufmann in der alten Stadt Wineta, den sein Schimmel wegen
Undanks verklagte. — Der Schimmel hatte dem Herrn schon lange
Jahre treu gedient und ihm einmal sogar durch seine Schnelligkeit
das Leben gerettet, als er in einem Walde von Räubern überfallen
wurde. Der Kaufmann that deshalb ein Gelübde, er wolle den Schimmel
niemals verstoßen und ihn aufs beste verpflegen, solange er leben
werde. Weil aber der Schimmel auf seiner Flucht vor den Räubern
sich sehr erhitzt hatte, so ward er bald darauf erst steif und lahm
und endlich auch blind, und der Kaufmann vergaß seiner Dienste so—
wie seines eigenen Gelübdes. Erst ließ er das Pferd bei kärglichem
Futter darben, und weil ihm eine Metze Hafer täglich zu viel schien
für ein Pferd, das ihm zu nichts mehr nützzte, so befahl er seinem
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