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Schutze ein vierter Stadtteil, der Hagen. Hier erblühte namentlich
durch eingewanderte Holländer die Wollenweberei zu sehr hoher Voll—
endung, so daß der braunschweigische „Want“ binnen kurzem weithin
berühmt wurde.
Auch durch stattliche Bauten hat Heinrich sich in der Stadt
Braunschweig ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Zu den schon
aus früheren Zeiten stammenden Kirchen von St. Magni, St. Ulrici
und St. Michaelis fügte er noch die von St. Katharinen, St. Petri
und wahrscheinlich auch die von St. Martini hinzu. An der Stelle
der alten Peter-Pauls-Kirche ließ er den Blasius⸗Dom erstehen. Hier
hat er die aus dem Morgenlande heimgebrachten Schätze niedergelegt
und die Siegeszeichen seiner Schlachten und die eigenen Waffen auf—
gehängt, auch ihn mit kostbarem Kirchenschmucke auf das glänzendste aus⸗
gestattet. Ein von Gold und Edelsteinen strahlendes Kreuz wird dar—
unter ganz besonders hervorgehoben. Auch den großen siebenarmigen
Leuchter, der nach dem Vorbilde des Leuchters in der Stiftshuütte
wahrscheinlich in Konstantinopel gegossen und von ihm dann nach
Braunschweig gebracht worden ist, hat er hier in der Mitte der Kirche,
wo ihm die Grabstätte bereitet ward, aufstellen lassen. Seine besondere
Bautätigkeit aber erstreckte sich auf die alte Burg der Brunonen,
denn an der Stelle jenes wohl nur aus Holz aufgeführten Herren—
hauses ließ er einen für jene Zeit großartigen und prachtvollen
Fürstensitz erstehen, dessen merkwürdige Reste mitten in den An-⸗ und
Umbauten späterer Jahrhunderte in unfern Tagen wieder zum Vorschein
gekommen sind.
In den letzten Jahren seines unruhigen Lebens saß Heinrich ein⸗
sam und kummerschwer auf seiner Burg zu Braunschweig. Seine Ge—
mahlin Matilde war längst gestorben; der Schmerz über die Trub—
sale ihres Hauses hatte ihr Herz gebrochen. Keiner seiner Söhne
war um ihn. Da ward seine Seele erfaßt von Sehnsucht nach oben;
was ihm noch vom Leben blieb, gehörte dem Umgange miln Gott.
Er schmückte den von ihm erbauten Dom mit Bildwerken und kunst⸗
reichen Fenstern. Auch sah man ihn noch vor der Burg zu Gericht
sitzen, die Beschwerden seiner Bürger anhören und den Bitlenden
Almosen reichen. Wenn Sorge oder des Alters Schwäche den Schlaf
von ihm scheuchte, saß er oft die langen Winternächte hindurch am
Kamin und ließ sich Sagen oder Erzählungen der Geschichtsschreiber
vorlesen.
Seit dem Ostertage 1195 nahmen seine Leibeskräfte rasch ab;
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