Volltext: [Teil 3 = 4. Schuljahr, [Schülerband]] (Teil 3 = 4. Schuljahr, [Schülerband])

— 163 — 
Schutze ein vierter Stadtteil, der Hagen. Hier erblühte namentlich 
durch eingewanderte Holländer die Wollenweberei zu sehr hoher Voll— 
endung, so daß der braunschweigische „Want“ binnen kurzem weithin 
berühmt wurde. 
Auch durch stattliche Bauten hat Heinrich sich in der Stadt 
Braunschweig ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Zu den schon 
aus früheren Zeiten stammenden Kirchen von St. Magni, St. Ulrici 
und St. Michaelis fügte er noch die von St. Katharinen, St. Petri 
und wahrscheinlich auch die von St. Martini hinzu. An der Stelle 
der alten Peter-Pauls-Kirche ließ er den Blasius⸗Dom erstehen. Hier 
hat er die aus dem Morgenlande heimgebrachten Schätze niedergelegt 
und die Siegeszeichen seiner Schlachten und die eigenen Waffen auf— 
gehängt, auch ihn mit kostbarem Kirchenschmucke auf das glänzendste aus⸗ 
gestattet. Ein von Gold und Edelsteinen strahlendes Kreuz wird dar— 
unter ganz besonders hervorgehoben. Auch den großen siebenarmigen 
Leuchter, der nach dem Vorbilde des Leuchters in der Stiftshuütte 
wahrscheinlich in Konstantinopel gegossen und von ihm dann nach 
Braunschweig gebracht worden ist, hat er hier in der Mitte der Kirche, 
wo ihm die Grabstätte bereitet ward, aufstellen lassen. Seine besondere 
Bautätigkeit aber erstreckte sich auf die alte Burg der Brunonen, 
denn an der Stelle jenes wohl nur aus Holz aufgeführten Herren— 
hauses ließ er einen für jene Zeit großartigen und prachtvollen 
Fürstensitz erstehen, dessen merkwürdige Reste mitten in den An-⸗ und 
Umbauten späterer Jahrhunderte in unfern Tagen wieder zum Vorschein 
gekommen sind. 
In den letzten Jahren seines unruhigen Lebens saß Heinrich ein⸗ 
sam und kummerschwer auf seiner Burg zu Braunschweig. Seine Ge— 
mahlin Matilde war längst gestorben; der Schmerz über die Trub— 
sale ihres Hauses hatte ihr Herz gebrochen. Keiner seiner Söhne 
war um ihn. Da ward seine Seele erfaßt von Sehnsucht nach oben; 
was ihm noch vom Leben blieb, gehörte dem Umgange miln Gott. 
Er schmückte den von ihm erbauten Dom mit Bildwerken und kunst⸗ 
reichen Fenstern. Auch sah man ihn noch vor der Burg zu Gericht 
sitzen, die Beschwerden seiner Bürger anhören und den Bitlenden 
Almosen reichen. Wenn Sorge oder des Alters Schwäche den Schlaf 
von ihm scheuchte, saß er oft die langen Winternächte hindurch am 
Kamin und ließ sich Sagen oder Erzählungen der Geschichtsschreiber 
vorlesen. 
Seit dem Ostertage 1195 nahmen seine Leibeskräfte rasch ab; 
11*
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.