Full text: [Teil 3 = 4. Schuljahr, [Schülerband]] (Teil 3 = 4. Schuljahr, [Schülerband])

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„Von außen, ja, — aber nicht, was in ihm ist, was aus ihm 
werden kann,“ sagte der Vater. „Mein Sohn, dieses unscheinbare 
Bäumchen wird einmal, will's Gott, als ein hoher, schöner Baum 
mit seinen Blüten und Früchten uns erfreuen, — wenn wir Geduld 
haben; denn jetzt noch ruhet in ihm die Kraft des Wachstums, und 
seine Fruchtbarkeit schlummert unwirksam in ihm verborgen.“ 
Im Herbste fand der Knabe seinen Vater wieder bei dem Bäumchen; 
er pflanzte einen Stab daneben und band es an. 
„Warum tust du das?“ fragte der Knabe. „Du nimmst ihm 
seine Freiheit!“ 
Der Vater antwortete: „Darum, daß der Wind es nicht zerknicke, 
wenn es ohne Stütze ist; damit es schlank und gerade in die Höhe 
wachse. Jetzt ist es noch zu schwach, um sich selbst zu tragen.“ Darauf 
schnitt er vorsichtig einige Zweige von dem Stamme des Bäumchens, 
lockerte ringsumher den Boden auf und umgab es mit Dornen, um 
das Vieh davon abzuhalten. 
„Dies alles,“ sagte er, „tue ich dem Bäumchen zu Liebe, damit 
die verborgene Kraft unbeschädigt in ihm wachse und zum Guten 
gedeihe.“ 
Der Winter war kaum zu Ende, so führte der Vater seinen 
Knaben wieder zu dem Bäumchen in den Garten. Er hatte von 
einem andern Apfelbaume, der im Herbst die edelsten Früchte getragen, 
ein frisches Reis geschnitten. Jetzt nahm er sein Messer, schnitt zu, 
und die Krone des Bäumchens fiel zu Boden. 
„O weh!“ rief der Knabe und erschrak. „Nun ist die Mühe 
vergebens.“ 
Aber der Vater lächelte, pfropfte das fremde Reis auf den Rumpf 
des Bäumchens und verband es sorgfältig. Darauf sagte er: „Siehe, 
mein Sohn, wäre das Bäumchen ohne Zucht und Pflege draußen im 
Walde geblieben, so wäre es aufgewachsen schief und knorrig, wie es 
der Zufall gibt; es hätte nur herbe, ungenießbare Früchte getragen. 
Jetzt habe ich seinen Wuchs geleitet; ich habe seinen wilden Trieb 
durch dieses Reis veredelt, damit sich sogleich mit dem sprossenden 
Frühling seine volle Kraft dahinein ergieße. Es hat nun die Richtung, 
in welcher es zu einem kräftigen Baume erwachsen kann.“ 
So wie der Frühling vorrückte, breitete auch das Bäumchen seine 
Zweige und Äste immer lustiger aus. Der Knabe freute sich, wenn 
er's sah, und holte den Vater herbei, als er die ersten Blüten daran 
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