büße auferlegte. Da der Papst als Stellvertreter Gottes
auf Erden verehrt ward, so galt Ungehorsam gegen ihn als
eines der schwersten Verbrechen und ward mit der „Exkom¬
munikation" (Ausschließung aus der Kirche) oder dem Banne
bestraft. Machte ein ganzes Land sich dessen schuldig, so
ward dasselbe mit dem „Interdikt" belegt; dann hörte jeder
Gottesdienst auf, verstummte jedes Geläute. Für die Aus-
forschung und Verfolgung sogenannter „Ketzereien" (Ab-
weichungen von dem, was die Kirche lehrte) bestand seit dem
13. Jahrhundert eine eigene Behörde, die „Inquisition".
Besonders häufig verfielen derselben Personen, welche der
„Hexerei" oder „Zauberei" angeklagt waren. Dar-
unter dachte man sich ein Bündnis mit dem Teufel, wodurch
die betreffende Person übernatürliche Kräfte erlange, die sie
dann zur Schädigung anderer Personen anwende („Behexung"
oder „Bezauberung"). Durch die grausamsten Fo lter quälen
(noch jetzt werden an manchen Orten solche Folterwerkzeuge
aufbewahrt und gezeigt) wußte man Geständnisse von ihnen
zu erpressen, worauf dann ihre Hinrichtung (gewöhnlich durch
Verbrennen) erfolgte. In Deutschland allein sollen über
100 000 Hexen verbrannt worden sein.
Für solche Männer und Frauen, welche gern ein be-
schauliches, von dem gewöhnlichen Welttreiben streng geschie-
denes Leben führen wollten, waren schon früh teils von
Königen und Fürsten, teils von frommen Privatpersonen
Klöster errichtet worden. Dieselben standen immer zu irgend
einem geistlichen Orden (Benediktiner, Dominikaner, Franzis-
faner, Klarisstnnen u. f. w.) in Beziehung, und ihre Bewohner
waren zum Gehorsam gegen die Oberen dieses Ordens ver-
pflichtet. Die Hauptbeschäftigung der Mönche und Nonnen
bildeten Andachtsübungen (selbst in der Nacht); daneben ver-
wendeten die Insassen mancher Klöster ihre Zeit auch zu
allerlei nützlichen Tätigkeiten; sie unterrichteten die Jugend
in den Klosterschulen, trieben Künste und Kunstgewerbe oder
fertigten Abschriften von Überbleibseln des klassischen Alter-
tums oder von altdeutschen Schriftwerken. Auch viele Chro-
niken und zeitgenössische Geschichtswerke verdanken wir den
Klöstern. Eine gelehrte Norme zu Gandersheim, Hroswitha,
schrieb ein „Leben Ottos I." in lateinischen Versen. Einzelne
Mönchsorden nahmen sich auch der Landwirtschaft, der Obst-
zucht, des Weinbaues, der Bienenzucht an. Freilich gab es
auch Klöster, deren Bewohner vorwiegend ein müßiges, ja
wohl gar ein schwelgerisches und leichtfertiges Leben führten.