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Geschenk. Der gute König lobte seine kindliche Liebe, ernannte ihn sogleich
zum Offizier und schenkte ihm noch eine Summe Geldes, um sich alles anzu
schaffen, was er zu seiner neuen Stelle brauchte. Der treffliche Sohn stieg
hernach immer höher und diente den preußischen Königen als ein lapferer
z General bis in sein hohes Allen—
283. Anhänglichkeit der Grasschaft Mark.
Eylert.)
Die Grafschaft Mark, fruchtbar und reich, bewohnt noch heute ein
Stammwolk biederer, derber, allee Germanen. So zogen die Markaner auch
10 die Aufmerksamkeit Friedrichs des Großen zur Zeit des siebenjährigen Krieges
auf sich. Nach Schlachten, die viele Menschen gekostet, kamen unaufgefordert,
aus eignem Antriebe diese riesigen Enakskinder, die Hellweger in weißen, die
Sauerländer in blauen Kitteln den Pumpernickel- und Schinkenbeutel auf
dem Rücken, den Eichenstock in der Faust, Söhne wohlhabender Bürger und
15 Bauern, zu hunderten ins entfernte Heerlager zu ihrem königlichen Valer
Fritz. Als sie so vor ihm zum ersten Male erschienen, fragte er sie: Woher
kommt ihr?“ — „Aus der Grafschaft Mark „Was wollt ihr?“ — „Unserem.
König helfen.“ — „Ich habe euch nicht gerufen.·“ — „Desto besser —
„Wer hat euch denn rekrutiert? Keinern „Es muß euch doch einer
20 geschickt haben?“ — „Ja, unsere Väler „Vo ist der Offizier, der euch
geführt hat?“ — „Wir haben keinen“ — „Wer hat euch denn komman
diert?· — „Wir selbst. — „wWie viele sind von euch unterwegs deser⸗
tiert?· — „Desertiert? Könnten wir das, dann wären b ja nicht freiwillig
gekommen.“
25 Das Adlerauge des großen Königs glänzte vor Freude beim Anblick
dieser treuen Vaterlandssöhnen Seid mir willkommen, wackere Männer!“
rief er aus. Brave, redliche Markaner, auf euch kann ich bauen. Des
königliche Wort erhielt sich als eine heilige Sage im Lande; es tönte fort
und fort hon einem Geschlecht zum anderen und lebt noch heute in der Brust
30 eines Markaners an den Ufern der rauschenden Lippe,
Ruhr, eund Volme.
284. Friedrich der Große und die Schulkinder.
Granz Otto)
Nach Berlin kam der König in den letzten Jahren seines Lebens nur
85 selten. Potsdam und Sanssouci blieben seine Lieblingsresidenzen. Für die
Berliner war es ein rechtes Fest, wenn er einmal in die Sladt geritten kam.
Da traten die ehrsamen Bürger vor die Thüre und zogen ehrerbietig ihre
Mützen. Jeden Gruß freundlich erwidernd, uitt der König, umgeben von
Scharen jubelnder Kinder und neugieriger Menschen, nach dem Schlosse.
10 Wenn der König ausritt, nahmen sich die Kinden welche jubelnd und schreiend
Pferd und Reiter umgaben, wohl hier und da etwas mehr heraus, als sich
schicken mochte. Bald putzten sie den Staub von den hohen Stiefeln, bald
warfen sie ihre Mützen in die Höhe und trieben allerlei Kurzweil. Den kecken
Possen sah der König stets mit bieler Gemütsruhe zu, und nur daun griff
4WGeer drohend nach dem Krückstock, wenn die Buben durch ihren Unfug das