Johann Georg II.
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deren sämmtliche Besitzungen in Deutschland Friedrich Wilhelm
erobert hatte, auf deutschem Reichsboden zu erhalten, und deswegen
sogar ein Bündniß mit dem Kurfürsten Ferdinand Maria von
Bayern schloß, muß auf Rechnung seiner Eifersucht gegen die wachsende
Macht des brandenburgischen Hauses geschrieben werden. Auch darf
man, um sich dieses Schwanken in Johann Georg's 11. Politik zu
erklären, nicht übersehen, daß ihm Schweden, welches nun als evange¬
lisches Reichsglicd galt, nicht als eine feindliche Macht gcgenüberstand,
die man stürzen müsse, um daraus eine neue (brandenburgische) Größe
zu erbauen. Auch mußte der streng lutherisch gesinnte Kurfürst den
dem Lutherthum ergebenen Schweden an sich schon holder sein, als
den calvinischen Brandenburgern.
Was die Verhältnisse im Innern des sächsischen Kurftaatcs betrifft,
so erschienen unter Johann Georg's II. Regierung eine Menge
heilsamer Gesetze und wurden viele zweckmäßige Einrichtungen getroffen.
Insbesondere erschienen Mandate gegen verschiedene Landesgebrechen
Iden Lurus und die Hoffahrt rc.). Bei dem nach dein 30jährigen
Kriege allerdings ziemlich zerrütteten Finanzzustande des Landes war
es nur wohlthätig, daß eine festere Steuerinstruction und Steuerver¬
fassung, namentlich eine gänzliche Trennung derselben von der Kammer
zu Stande kam. Auch auf die Hebung des Handels und der Gewerbe
hatte Johann Georg II. sein landesväterliches Augenmerk gerichtet,
und es möge hier nur hervorgehoben werden, daß er zur Einführung
der Moll- und Seidenmanufactur aus seinem Oftravorwerke bei Dresden
ein eigenes Manufacturhaus und andere dazu gehörige Gebäude
errichten, sowie die nöthigen Stoffe, Werkzeuge und erfahrene Wcrk-
führer herbeikommen ließ. Ebenso widmete er den Bergwerken seine
besondere Aufmerksamkeit, indem er da, wo den Gewerken die Kosten
zu schwer fielen, bei vielen Berggebäuden aus seinen eigenen Mitteln
Hülfe leistete. (So brachte er z. B. das ergiebige, seit 40 Jahren ver¬
fallene Kupferbergwerk in der Grafschaft Mansfeld wieder emporre.)
— Demnächst hat Johann Georg II., zum großen Thcil aus dem
ergiebiger fließenden Ertrage der Bergwerke, ansehnliche Bauwerke aus¬
geführt. Die Verneuerung der Schloßkapelle, die Errichtung einer
Kapelle zu Moritzburg, der Ausbau des vom Kurfürsten Moritz ange¬
legten Riesensaals im kurfürstlichen Schlosse, die Aufrichtung eines
Opern-, eines Schieß- und Ballhauses, eines Löwenzwingers rc. in der
Residenz, die Wiederherstellung der im Kriege zerstörten Stadtmauern
und Thürme von Leipzig, Freiberg, Chemnitz, Zwickau rc. waren sein Werk.
Johann Georg II., welcher 1661 vom Kaiser Leopold I. in
seiner Würde als Reichs- oder Erz-Jägermeister bestätigt ward,
war auch ein Freund der Jagd, gleich seinem Vater, und es' wurden
unter seiner Regierung von 1656 bis 1677 an 96,862 Stück Wild
erlegt (darunter 2000 Wölfe und 200 Bären). Stimmte er darin mit
seinem Vater zusammen, so wich er in anderer Beziehung von demsel¬
ben ab. Während nämlich der Vater ziemlich einfach im Aeußeren
war, liebte der Sohn fürstlichen Glanz, den er, besonders, wenn hohe
Gäste in seiner Residenz einsprachen, in ausgezeichneten Festlichkeiten
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