Paul Ernst.
Geboren am 7. März 1866 in Elbingerode i. H, lebt in Weimar.
Romane und Novellen: e Geschichten 1900 — An e No-
vellen 1902 — Prinzessin des Ostens 19092 vo schmale Weg zum Glück 1903
Dr amen: Lumpenbagasch; Im Chambre separés i8o) Wenn die Blätter
fallen; Der Tod 1900. — Bemetrios 1905 — Beatrice und Deflores 1905.
Der Tod der Großmutter.
Aus dem Roman „Der schmale Weg zum Glück.“
Der Großmutter war es den Winter hindurch schlecht gegangen;
sie klagte über ihre Beine, daß die sie nicht mehr recht tragen wollten
und fürchtete sich vor Zug; abends ging sie früher zu Bett wie sonst,
und am andern Morgen erzählte sie, daß sie nicht habe schlafen können.
Dafür geschah es, daß sie am Tage unversehens einschlief, wenn sie in
ihrem Lehnstuhl am Ofen saß und strickte, das Strickzeug sank ihr in
den Schoß, und sie wachte auch durch lautes Geräusch nicht auf. Man
mußte aber tun, als ob keiner etwas merkte hiervon, sonst wurde sie
böse; wenn sie die Augen wieder aufschlug, fo sah sie sich um, ob jemand
sie beobachte, und dann nahm sie ihr Strickzeug vor die Augen.
Gegen den Frühling kam der Tischler, den die Fenster in Ordnung
bringen sollte, denn deren unterer RNiegel war faul geworden, und das
Wasser lief auf die Fensterbank. Mit dem sprach die Großmutter über
Särge, fragte, was die verschiedenen Arten kosteten, und wunderte sich,
daß alles so teuer geworden war, und erkundigte sich genau nach der
Haltbarkeit. Es zeigte sich, daß bei Särgen sehr viel Betrug unterlief,
denn die Handwerker hatten keine Furcht vor Gott und keine Scham
und glaubten, bei einem Begräbnis müßten sie mebr verdienen wie bei
andern Arbeiten.
Als die Kraft der Sonne zunahm, stand sie oft am Fenster und
6. wie der Schnee in sich zusammensant, und dann kam Tauwind und
egenwetter, und in den Schlittenspuren auf der Landstraße schoß das
Wasser bergab. Jetzt sagte die Großmutter oft: „Nun schlagen die
Bäume bald aus;“ sie dachte aber bei sich, wenn die Baͤume ausschlügen,
so würde sie sterben; auch fagte sie: „Die Schneeglöckchen erlebe ich noch.“
Das sprach sie alles für sich hin, wenn sie alein in der Stube war
oder nur ihr Enkel, der kleine Hans, auf seinem Fußbänkchen still saß.
Einmal faltete sie die Hände und sagte: „Des Menschen Leben währet
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