„Kind,“ sprach die Mutter einst zu ihr,
„Noch kennst Du nicht das böse Thier,
Die Katze, unsern Feind.
Sie laurt auf uns in finstrer Nacht;
Dein Fell ist weiß, nimm Dich in Acht!
Mein Rath ist gut gemeint.
Auch vor der Eule hüte Dich;
Dir fehlt Erfahrung, wie man sich
Gefahren klug entzieht.“
Das Maͤuschen duͤnkt sich klug und spricht:
D Mutter, sorgt für mich nur nicht;
Ich weiß schon, wie man flieht.“
Nun ging es einstens auf den Schmaus
Des Abends ohne Mutter aus,
Und tanzte frisch und keck;
Doch da es wieder eede ging,
Da kam die Eule schnell und fing
Das weiße Mäuschen weg.
Ach!“ rief es, „wie war ich, bethoͤrt!
Zaͤtt' ich der Mutter Kath gehöͤrt,
—A
Allein das weiße Mäuschen schrie
Umsonst; die Eule speiste sie
Zu ihrem Abendbrot.
Zertuch.
41. Die Raupe und die Spinne.
Im zähen Leimen grub sich eine Raupe
Ihr Sterbgehäuss und wob aus zarten Faͤden
Sich ein Gefpinnst, das rings den Leib verhüllte,
Die schönere Verwandlung vorbereitend. —
Von ihrem luft'gen Sißz sah eine Spinne
Der AÄrbeit zu. Sie sprach: „Was soll das Netz?
Anstatt zum klugen Fang es auszubreiten,
Webst Bu Dir selbst, o Thörin, Tod und Grab!“
Mag's immer sein!“ autwortete die Raupe,
„Es ist Beduürfniss mir und reger Trieb,
Ein folches Lager jetzt mir zu bereiten,
Und dunkel schirebt uͤm mich die leise Ahnung,
Als sollt' ich einst aus diesem engen Grabe
Zu höherm Licht erstehn und freiem Leben.“
„„Erftehen!“ sprach mit Hohn die kluge Spinne;
„Wirst Du denn je das zähe Netz zerreißen?
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