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men mußte, und er wolle auf ihm sitzen, als ob er von ihm
fraͤße; wenn das der Jaͤger saͤhe, so wuͤrde er gewiß die
Schildkroͤte niederlegen und hinzugehen; dann solle der Hirsch
aufspringen und langsam hin und her laufen, als haͤtt' er
ein Gebrechen am Fuße; so solle er den Jaͤger immer reizen
und nahe an sich kommen lassen, dann aber immer wieder
aufspringen, und das so lange, bis die Maus unterdessen
das Netz zernagt, und die Schildkroͤte sich im Walde ver—⸗
krochen habe; dann wollten sie Alle auf einmal davon eilen.
Und wie sie's beschlossen hatten, so thaten sie's auch.
Der Jaͤger warf sogleich die Schildkroͤte hin und eilte dem
Hirsche nach; als aber die Schildkroͤte und das Maͤuslein
in Sicherheit waren, da sprang der Hirsch auf einmal davon,
und eilte schneller, als der Jaͤger sich's versah, ihm aus den
Augen, und kam mit seinen Genossen wieder bei der Woh—
nung an. Da freuten sie sich Alle sehr, daß sie durch ihre
Freundschaft einander gerettet hatteu.
19. Die Martinswaud.
Willkommen, Tyrolerherzen, die ihr so bieder schlagt!
Willkommen, Tyrolergletscher, die ihr den Himmel tragt!
Ihr Wohnungen der Treue, ihr Thaͤler voller Duft,
Willkommen, Quellen und Triften, Freiheit und Bergesluft.
Wer ist der kecke Schuͤtze im gruͤnen Jagdgewand,
Den Gemsbart auf dem Haͤtlein, die Armbrust in der Hand,
Deß Aug' so flammend gluͤhet, wie hoher Koͤnigsblick,
Deß Herz so still sich freuet an kuͤhnem Jaͤgergluͤck?
Das ist der Max von Habsburg auf lust'ger Gemsenjagd;
Seht ihn auf Felsen schweben, wo's kaum die Gemse wagt!
Der schwingt sich auf und klettert im pfeilbeschwingten Lauf,
Hui, wie das geht so lustig durch Kluft und Wand hinauf!
Jetzt uͤber Steingeroͤlle, jetzt uͤber tiefe Gruft,
Jetzt kriechend hart aͤn Boden, jetzt fliegend durch die Luft!
Und jetzt? — Halt ein, nicht weiter! jetzt ist er festgebannt,
Kluft vor ihm, Kluft zur Seite, und oben jähe Wand!
Der Aar, der sich schwingt zur Sonne, haͤlt hier die
erste Rast,
Fettias Keyfe Kaochkeu und Schwindel hat ihn erfaßt;
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