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Und fuͤrder glaubt er ohne bange Sorgen:
Wenn er nur glaͤubig betet, fleißig schafft,
Und haͤuslich waltet, so wird Gott besorgen
Das Andre, was nicht Menschenrast errafft.
Nun darbt er nimmer, geht nicht mehr, zu borgen,
Und tritt ans Werk mit wahrer Gotteskraft.
21. Altes Näthsel.
Wie viele Ellen Tuch der liebe Gott,
Ich ftag' es wahrlich nicht in losem Spott,
Wie viel er wohl zu einem Mantel brauch'?
Sag', liebe Seele, weißt du's auch?
Der Himmel, sagt der Psalter, ist sein Kleid,
Der ist viel hunderttausend Ellen breit,
Kein Tuch reicht hin, und wuͤrd' es auch bestellt
Bei allen Webern in der Welt.
Euch loͤs't der Herr das Raͤthsel kurz und gut:
„Was ihr dem kleinsten meiner Bruͤder thut,
Das thut ihr mir;“ nun rechne selber du;
Wie viele Ellen brauchst dazu?
e2. Kaiser Karl V. auf Luthers Grab.
In Wittenberg, der starken Lutherveste,
Ist Kaiser Karl, der Sieger eingedrungen.
Wohl ist's, den Stamm zu faͤllen ihm gelungen,
Doch neue Wurzeln schlugen rings die Aeste.
In Luthers Veste hausen fremde Gaͤste;
Doch Luthers Geist, er bleibet unbezwungen;
Da, wo des Geistes Schwert er hat geschwungen,
Da ruhen billig auch des Leibes Reste.
Am Grabe steht der Kaiser, tiefgeruͤhret;
„Auf denn und raͤche dich an den Gebeinen,
Den Flammen gieb sie Preis, wie sich's gebuͤhret!“
So hoͤrt man aus der Diener Troß den Einen.
Der Kaiser spricht: „Den Krieg hab' ich gefuͤhret
Mit Lebenden, um Todte laßt uns weinen!“