§ 22. Die Kultur des Hellenismus. 101
hellenistischen Zeit (3. Jahrhundert) gehören der (eherne?) Apollo an,
dessen marmorne Nachbildung gegen Ausgang des 15. Jahrhunderts in
Italien gefunden ist und im Belvedere steht, und die Venns, welche
nach ihrem Fundorte, der Insel Melos, die Venus von Milo genannt wird.
Weniger Bedeutung hatte, was die Dichter zeitigten. Sie waren nicht Dichtkunst,
imstande, neue Trauerspiele der erhabenen Art zu schaffen. Nicht weniger
als 64 pflegten das Lustspiel (die „neuere Komödie"), Menander und Lustspiel.
Philemon brachten das bürgerliche Lustspiel auf. Die „alexandrinifche
Dichtkunst" war wesentlich Hos- und Gelehrtendichtung. Das üppige, auf-
reibende Leben in den Großstädten rief in manchem die Sehnsucht nach Hirtendichtung,
einfachen Verhältnissen wach. So wurde der Syrakusaner Theokrit, der Dheoint.
eine Zeit lang (um 270) in der Ptolemäerhauptstadt weilte, der Schöpfer
der Hirtendichtung (der „bukolischen Poesie"). Sammelpunkte der Dichter
und Gelehrten geworden, riefen die Höfe von Pergamum und Alexandria
große Büchersammlungen ins Leben; die zu Alexandria soll schon um Bücher-
250 530 000 Rollen besessen haben. Als man einmal in Ägypten aus Sammlungen.
Eifersucht auf Pergamum die Ausfuhr der Papyrusstaude verbot, erfand
man hier die Herstellung eines Schreibstoffes aus Rinderhäuten, das Per-
gament. Ptolemäus I. erbaute das Museum, das einen Tempel der Das Museum
Musen, eine Büchersammlung, Säulenhallen und Wohnungen enthielt, wo äU Alexandria.
hervorragende Dichter und Gelehrte Unterhalt empfingen. Grammatik
(Philologie), Redekunst, die Naturwissenschaften, Stern-, Erd- und Heilkunde
wurden mächtig gefördert. Der Mathematiker Euklid, die Grammatiker
Stephanus und Aristarchus, der Geograph Eratosthenes haben dort
gearbeitet. Die liebste Heimstätte der Philosophie blieb jedoch Athen. Sie Philosophie,
trat bei den Gebildeten immer mehr an die Stelle der Religion, die ein-
dringenden asiatischen und ägyptischen Religionen vermochten fast nur dem Religion,
untern Volke einen Ersatz zu bieten. Euhemerus aus Messana, ein Freund
des Macedonierherrschers Kassander, erschütterte den alten Glauben von
neuem, als er lehrte, die Götter und Halbgötter seien menschliche Eroberer
gewesen, denen man nach dem Tode göttliche Ehren erwiesen habe. Solche
Darlegungen sollten wohl den Hellenen die Vergötterung der neuen Könige
annehmlicher machen.
Während unter den Philosophen die Anhänger Platos, die Akademie,
und die des Aristoteles, die Peripatetiker, bei ihrem Forschen das All im
Auge hatten, in das sie den Menschen einordneten, gingen neue Schulen
vom einzelnen Menschen aus und untersuchten, worin die Glückseligkeit
bestehe, und wie sie zu erlangen sei. Zenon (f 265), der Gründer der Zenon.
stoischen Schule (so genannt, weil er seine Meinungen in der „bunten
Halle" am Markte zu Athen vortrug), sah das „höchste Gut" in dem
Freisein von jeglicher Leidenschaft und in einem mit der Natur des Geistes
und Körpers übereinstimmenden Leben. Danach zu streben, sei die Pflicht
des Weisen. Epikur dagegen (f 270) machte die Lust zum Grundsatz Epttur.
des Handelns, und zwar bestand nach seiner Meinung die größte Lust in
der Freiheit von Furcht und Begierde und aller Mühsal. Anders als die
Stoiker hielten sich die Epikureer vom öffentlichen Leben fern.