Das Altertum.
Es ist in der Hauptsache die Geschichte der vorchristlichen Zeit,
einerseits des Volkes Israel, unter dem sich die höchste Offenbarung
Gottes vorbereitete, andererseits die der heidnischen „Weltreiche",
die einen immer größeren Teil der bekannten Welt umspannten,
und unter denen sich in Kunst und Wissenschaft, im Rechts- und
Staatsleben eine großartige Kultur entwickelte.
Dir Kölker des Morgrnlandrs.
I. Ägypten.
1. Land. Ägypten ist der schmale, vom letzten Nilkatarakt bei Syene
an etwa 900 km lange, höchstens 15—18 km breite Streifen Landes,
welchen der Nil zwischen den libyschen und arabischen Wüstenplatten
durch die Senkstoffe seines Oberlaufes geschaffen hat, nebst dem in gleicher
Weise aus einem früheren Meerbusen entstandenen Deltaland. Es der-
dankt wie seine Entstehung so seine Fruchtbarkeit den Überschwemmungen
des Nils, der infolge der Sommerregen im tropischen Teil seines Fluß-
gebiets, im Becken des Gazellenstroms und vielleicht noch mehr infolge
der abessmischen Gebirgsregen jährlich das Land vom Juli bis Oktober
mit einem bräunlichen Süßwassermeer überschwemmt, von welchen:
der fruchtbarste Schlamm zurückbleibt, daher der alte Name des Landes
Ehemi, das schwarze Land. — Der natürlichen Einteilung in zwei Teile,
Niltal und Delta, entsprach in ältester Zeit die politische Gliederung in
zwei Staaten, Nordland (Delta) und Süden. Die spätere künstliche Ein-
teilung in drei Teile, Unterägypten (Delta) mit den Städten Sais, Helio-
polis, Pelusion, Alexandria, Mittelägypten mit Memphis und Oberägypten
(Thebais) mit Theben ist nie durchgedrungen.
2. Das Volk und seine Kultur, a. Das Volk, dessen ziem¬
lich reine Nachkommen die heutigen Fellachen sind, von schlanker
Gestalt, mager, mit langen Händen und Füßen, dicken Lippen,
langgeschlitzten Augen, rotbräunlicher Farbe, wird zu der uord-
afrikanischen Familie der kaukasischen Rasse gerechnet, über deren
Verhältnis zu den Semiten und Negern man noch nicht einig ist.