Ludwig das Kind (900 — 911).
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dessen durchgreifender Einfluß jedenfalls unbeliebt war, und an dessen Na¬
men die Ueberlieferung noch manchen Frevel, sowie das Gottesgericht im
Mäusethurm bei Bingen knüpfte. Hatto ritt (der Sage zu Folge) zum
Babenberger ins Schloß und versprach ihm, daß er ihn mit dem Könige
versöhnen wolle, doch müsse der Graf selber zu diesem ins Lager kommen,
um seine Aufrichtigkeit kund zu geben, er (der Erzbischof) wolle ihn sicher
wieder in sein Schloß heimgeleiten, darauf gab er dem Grafen sein Wort.
Da öffnete dieser das Thor und ritt mit dem Erzbischof gen das Lager des
Königs. Aber kaum waren Beide unterwegs, so klagte der Erzbischof plötz¬
lich über Hunger und begehrte einen Morgenimbiß, den er noch kurz vor¬
her verschmäht hatte. Arglos führte ihn der Graf nochmals ins Schloß
zurück und herbergte ihn als seinen Gast gar gut; dann ritten sie wieder
fort ins Lager des Königs. Kaum aber war der Graf dort angekommen,
so wurde er gefangen gesetzt; voll guten Vertrauens mahnte er den Erz¬
bischof an sein Wort: „daß er ihn frei auf seine Burg zurückbringen
wollte." Der böse Hatto aber lachte laut auf und sprach: „Mein Wort
hielt ich dir auch; einmal bracht' ich dich sicher heim; fürs zweitemal
war's nicht gemeint." Also spielte er mit der Heiligkeit des Worts; dar¬
über entsetzte sich das deutsche Volk und verfluchte Hatto'ö Andenken auf
ewige Zeiten. Die Großen aber sprachen dem Babenberger das Leben ab,
weil er den Landfrieden gebrochen, und er wurde enthauptet (006).
Während Deutschland durch solche Fehden zerrüttet ward, brachen die
Ungarn, welche den Deutschen gegen die Slaven geholfen hatten, jetzt als
Feinde in jene deutschen Länder, welche ihnen zunächst lagen, in die Ost¬
mark und Baiern ein und ergossen sich in die Thäler Kärnthens. Dar¬
aus läßt sich recht erkennen, daß ein Volk verloren ist, wenn es sich je auf
fremde Hülfe verläßt. Es war aber ein edler Herzog im Baierland, Luit¬
pold, der Ahnherr des Hauses Wittelsbach; der verwaltete auch den Nord¬
gau als Markgraf gegen die Slaven und die Ostmark, und baute dort am
Flusse Enns eine Grenzburg gegen die Ungarn. Aber lachend sprengten
diese wilden Reiter dran vorbei und schossen sich, wie im Flug, die Bauern
vom Feld, die Krieger von den Mauern herab; Männer, Weiber und
Kinder fingen sie, wo sie sie fanden, koppelten sie an den Haaren zusam¬
men und trieben sie wie Heerden ins Ungarland heim. Rückte ein deut¬
scher Heerhaufen in Reih' und Glied zu regelrechtem Kampf gegen sie aus,
so stoben sie plötzlich aus einander; und hieß es: „Gott sei Dank, sie sind
fort", so waren sie schon wieder da, den Deutschen im Rücken. Nur im
Gräuel der Zerstörung war den Ungarn warm und wohl, wenn sie die
Bärte ins Blut der Deutschen tauchten, oder wenn sie in Gotteshäuser
und Klöster die Brandfackeln warfen, daß die Flammen hoch aufwirbelten.
Da dachten viele fromme Leute in ihrer Verzagtheit: „So will die Hand
des Herrn das deutsche Volk für die Frevel seiner Fürsten treffen und will
es austilgen bis auf die letzte Wurzel?" Und viele Andere riefen jam¬
mernd: „Wehe dem Land, dessen König ein Kind ist!" und legten ver¬
zweifelnd die Hände in den Schooß. Aber der edle Luitpold schwang jetzt
(im I. 007) sein Schwert, dessen Schneide schon die Normannen verkostet
hatten, und rief ein großes Heer zu den Waffen; dies führte er an der
Donau hinab, auf ein weites Schlachtfeld, nicht weit von Preßluirg, und
bot den Ungarn die Schlacht. Da sank der theure Held, von ihren Pfei¬
len getroffen, und starb einen seligen Tod, den Opfertod fürs deutsche Volk,
mit ihm viele Grafen und edle Herren, auch tapfere Bischöfe und Aebte,
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