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2. Fundorte der Quellenschriften.
Sogar manche Ortsnamen enthalten geschichtliche Fingerzeige. Auf der
Strecke von Lille nach Calais kommt man an Bahnstationen vorbei, die auf „Hein"
oder „hen" enden. Das entspricht nnsrer deutschen Endung „heim". Daß wir es mit
germanischen Siedlungen zu tun haben, sehen wir auch an dem hohem Wuchs, dem
blonden Haar, den blauen Augen der Bevölkerung. Hier wohnen die Nachkommen
jener Sachsen, die Karl der Große aus der Heimat zwangsweise in diese Gegenden
verpflanzt hat.
So haben wir Geschichtsquellen der mannigfaltigsten Art, teils geschriebene,
teils ungeschriebene, teils gleichzeitige, teils spätere, teils selbständige, teils abgeleitete,
teils unmittelbare, teils mittelbare.
Ihr Wert ist verschieden. Je näher der Schriftsteller der Zeit steht, über die er
Bericht erstattet, je näher er dem Orte wohnt, der der Schauplatz seiner Erzählung
ist, um so eher ist er imstande, die Wahrheit zu berichten. Freilich genügt das nicht;
er muß auch einen solchen Bildungsgrad besitzen, daß er selbst Wahrheit und
Dichtung unterscheiden kann; er muß Wahrheitsliebe besitzen, um die Wahrheit
mitteilen zu wollen; er muß Gerechtigkeitsgefühl besitzen, um die Fehler der eignen
und die Vorzüge der gegnerischen Partei in das rechte Licht zu setzen, und klaren
Blick, um die Fehler einer Einzelperson nicht auf Rechnung der Gesamtheit zu
schreiben.
Die Zuverlässigkeit und somit den Wert der Quellen festzustellen, ist Sache der
Kritik. In vielen Fällen ist zuerst die Echtheit zu prüfen, da Fälschungen bei
Schriften sowohl als auch bei Antiquitäten häufig vorkommen. Bei schriftstellerischen
Erzeugnissen untersucht der Kritiker sodann Ort und Zeit der Abfassung, etwaige
spätere Zusätze, die etwaige Abhängigkeit der Darstellung von früheren Berichten,
und tritt dann an die schwierige Aufgabe, die Glaubwürdigkeit des Schreibenden klar-
zulegen. Unter den geschriebenen Quellen bevorzugt die neuere, insbesondere die
deutsche Geschichtsforschung solche, die mit den Tatsachen in unmittelbarem Zu-
sammenhang stehen, wie Inschriften, Befehle, Gesetze, Urkunden und Gesandt-
schaftsberichte, weil sie den höchsten Grad der Zuverlässigkeit besitzen. Großes hat
die heutige Methode der Forschung geleistet, aber viele Fragen harren noch ihrer
Lösung.
2. Fundorte der Quellenschriften.
Die Geschichtswerke der Griechen und Römer liegen in sorgfältig bearbeiteten
Ausgaben vor und sind durch Übersetzungen auch denen zugänglich gemacht, die sie
im Urtexte nicht lesen können1. Eine Sammlung der griechischen und römischen
Inschriften gibt die Königliche Akademie der Wissenschaften heraus.
Die Quellenwerke der mittelalterlichen Geschichte sind in deutscher Über¬
setzung in dem Sammelwerke „Die Geschichtschreiber der deutschen Vor-
zeit" enthalten. Die deutsche Bearbeitung ist unter dem Schutze König Friedrich
Wilhelms IV. von Preußen herausgegeben von G. H. Pertz, I. Grimm, K. Lachmann,
L. von Ranke, K. Ritter und fortgesetzt von W. Wattenbach. Die meisten Bände
enthalten Einleitungen des Herausgebers, die über den Wert des Werkes Aufschluß
geben. Auch von dem Urtexte sind die einzelnen Bändchen gesondert erschienen.
Es sind Abdrucke aus dem großen Werfe: Monumenta Germaniae historica.
1 Die meisten sind in Reclams Universalbibliothek aufgenommen.