Die Griechen.
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Bewusstsein. Schon in Abraham, der seinem höchsten Gott, der
Himmel und Erde besitzt (Gen. 14, 19), Altäre baut und bei seinem
Namen anruft, erscheint der reine, höchste Gott offenbaret, zu dem
er im Glauben ein kindliches Verhältnifs wie das eines „Gottes¬
freundes“ gewinnt. In Mose, nach dem Auszuge aus Aegypten, tritt
das Gesetz, als die Erziehung des Volkes zur Sündenabwehr und
Sündenerkenntniss, ein, an dessen Spitze abermals der Grundsatz
steht: Ich bin Jehovah, dein Gott; Du sollst nicht andere Götter
haben neben mir. In David und Salomo gewinnt dieser Jehova¬
dienst die schönen Formen des Tempeldienstes, eine hym¬
nische und didaktische Poesie ohne Gleichen, die (neben den
Veden) zugleich die früheste Poesie ist, die wir überhaupt haben,
und die Ueberzeugung tritt ein, dass die Verehrung Jehova’s siegen
wird über alle Religionen der Heiden. Während dann die poli¬
tische und sittliche Auflösung des Volkes nach der Theilung folgt,
erhebt sich die Prophetie, die höchste Blüthe des altorienta¬
lischen Geisteslebens: die Offenbarung der Nichtigkeit der Götzen
auf der einen, auf der anderen Seite die Herrlichkeit des Gottes,
der die Sünde straft und vergiebt, dem ein zerknirschtes Herz,
nicht äussere Opfer gefallen, eines Gottes, der sein Volk und mit
ihm alle Völker erlösen wird durch einen Gottesgesandten (Mes¬
sias). Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil ist diese
prophetische Entwickelung abgeschlossen und bleibt in der Hülle
eines sich gleichsam verbergenden Volksthums, 4 bis 500 Jahre
lang, bis, „als die Zeit erfüllet war“, sie in Jesu Christo als uni¬
versale Religion hervortritt.
II, Die Griechen.
Einleitung.
A. H. L. Heeren, Ideen. III. 10 —15. B. d. histor. Werke. 1S26 ff. Fr. Chr. Schlosser,,
Univ. hist. Uebersicht d. Gesch. d. alten Welt u. ihrer Cultur. Niebuhr, Vorträge über
alte Gesch. Band l—III. L. Schmitz, Gesch. Griechenlands. Leipz. 1859 (aus dem
Engl.). Goldsmith 1776. Thirlwall 1845 (englische Arbeiten). Kortüm, Gesch.
Griechenlands. B. I—III. Heidelb. 1854. W. Wachsmuth, Hell. Alterthumskunde.
2 B. Guhl und Konor, Leben d. Griechen u. Römer. G. F. Schömann, griech.
Alterthümer. 2 B. Griechenland, geogr. geschichtl. u. culturgeschtl. u. s. w. in Mo¬
nographien dargestellt. Separatabdruck aus Ersch u. Gruber, Allgem. Encyclo¬
pädie (J. H. Krause, G. Fr. Hertzberg (Leipzig 1870). Lob eil, Weltgeach. in Um¬
rissen und Ausführungen. I. Th. Max Duncker, Gesch. d. Alterth. III u. IV. E.
Curtius, Gr. Gesch. bis jetzt 3 Bände bis zum Tode Phil, von Maked. G. Weber,
II. III. Roth, gr. Gesch. v. Lykurg bis Alex. d. Gr. George Grote, hist, of Greece.
12 vols. übers, v. Meifsneri). Für Schulen: Herbst und Baumeister, Quellenb.
z. alt. Gesch. Leipz. Teubner. 0. Jäger, riech. Gesch. Aufl. 2. Gütersl. 1874.
§ 46.
Europa’s historisch-geographische Verhältnisse.
G. A. v. Klöden, Handb. d. Geogr. B. II.
Europa, 178,000 DM. gross, zwischen dem 710 und 36°
n. Br. und dem 8° und 80° östl. Länge belegen, die selbständig
*) In dieser, in Deutschland zugänglichsten, Uehersetzung, citire ich es.