VII. §. 4. Prophetische Verkündigung und Gottesgericht in Ninive. 73 
Nach der Erwähnung des gewaltigen Nimrod des Kuschiten, 
des Gründers und Bildners jener östlichen Monarchie, wird das wilde 
Wogen des heidnischen Gesammtstaates uns zuerst wieder 1 Mos- 14 
dargestellt, wo Kedorlaomer mit seinen Vasallenfürsten das Land 
östlich und südlich von Canaan bekriegt, Sodom beraubt und auf sei¬ 
nem stegreichen Heimzuge von Abraham überfallen wird. Dort wird 
Kedorlaomer, der Fürst von Elam, deutlich als der Oberherr der 
übrigen Könige, die mit ihm waren, bezeichnet. Es ist also inzwischen 
die kuschitische Dynastie des Nimrod abgetreten und eine elamitische 
hat jetzt die Obergewalt. Ihr dienen die Könige von Sinear 
(Babylonien), Classar (Assyrien) und die noch entfernter woh¬ 
nenden Heidenvölker im Osten, deren Namen die alte Urkunde 
nicht mehr aufbehalten hat. Elam war durch Sinear und Assur von 
den cananitischen Ländern so völlig getrennt, daß es gar keine Veran¬ 
lassung, ja keine Möglichkeit zum Kampf wieder dieselben gehabt hätte, 
wenn ihm nicht sämmtliche Zwischenländer dienstbar gewesen wären. 
Wie wir aus 1 Mos. 14, 4 sehen, hatte das Weltreich schon 12 Jahre 
vorher die Landschaften mit Jordan sich unterthänig gemacht. Seit 
dem üblen Ausgange dieses letzten Feldzugs aber scheint der Eufrat 
wiederum die'westliche Grenze des großen Heidenreichs gebildet zu ha¬ 
ben; denn ungehindert sahen wir Amoriter, Ammoniter, Moabiter sich 
am östlichen Ufer des Jordan ausbreiten, ohne von den Herrschern 
des Weltreichs daran gehindert zu werden oder auch nur mit ihnen in 
Berührung zu kommen. Erst nach einer Zwischenzeit von 800 Jahren 
trat, wie wir oben (S. 51) sahen, wieder ein König von Mesopotamien 
in der Geschichte des Volkes Gottes auf und plagte das abgöttische Israel 
acht Jahre. Aus der biblischen Erzählung geht hervor, daß der 
König von Mesopotamien nicht zugleich der Oberherr des ganzen östli¬ 
chen Weltreichs war, wie der vorhin genannte Kedorlaomer, son¬ 
dern etwa ein Vasall des östlichen Herrschers, der hier auf eigne Hand 
Krieg führte gegen seine westlichen Nachbarn. Dürfen wir den Resul¬ 
taten neuer Forschungen Glauben schenken, so war Cu fan Risa- 
th aim ein Herzog oder Unterkönig des assyrischen Oberherrn M ino t- 
scher I. (gewöhnlich Ninus) und hat etwa 1230 v. Chr. gelebt und 
Palästina bedrängt (vgl. Nicht 3, 8. 10). 
8. 4. Prophetische Verkündigung und Gottesgericht in 
Ninive. 
Was die spateren Griechen von den Kriegs- und Eroberungs¬ 
zügen des Ninus (bis an den Indus, Orus und Tanais), von der 
noch größern Thatkraft seiner Gemahlin Sem trami s und ihrem 
Sohn, dem weichlichen Niny as mit seinen 30 Nachfolgern erzählen, 
können wir füglich übergehen, da es augenscheinlich nur fabelhafte 
Traditionen sind, aus denen wir den Wahrheitskern nicht mehr her¬ 
ausschälen können. Dagegen tritt uns in der heiligen Schrift eine 
durch das Wort der Wahrheit verbürgte höchst wunderbare Erzäh-
	        
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