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Erste Periode der Neuzeit. Die Zeit der Religionskämpfe.
§74.
Um seinem Geschäft kam er auf keinen grünen Zweig. Er kehrte in seine
1450. Vaterstadt zurück und setzte seine Versuche fort. Hier trat er um 1450
zur Gründung einer Druckerei in Verbindung mit dem reichen Fust, der
ihm das Geld gegen hohe Zinsen lieh, und dem Schönschreiber Schöffer.
Das erste größere Werk, das gedruckt wurde, war eine lateinische Bibel.
Ehe sie fertig war, verklagte der eigennützige Fust Gutenberg auf Heraus-
gäbe des Geldes und kam, da dieser noch nicht bezahlen konnte, in den
Besitz der Druckerei. Zwar gründete Gutenberg mit fremder Hilfe eine
neue, konnte aber gegen die Konkurrenz der Fustschen Druckerei, der die
reichsten Mittel zur Verfügung standen, nicht aufkommen und zog sich
deshalb an den Hof seines Gönners, des Erzbischofs von Mainz, in Elt-
bitte zurück. Dort ist er gestorben.
Gutenbergs Erfindung verbreitete sich schnell über ganz Deutsch-
land, und deutsche Buchdrucker zogen auch in die übrigen europäischen
Länder und richteten Werkstätten ein. Um 1500 gab es schon über
1000 Druckereien, und über 12000 Werke waren gedruckt.
Anfangs verkauften die Buchdrucker die Bücher selbst, besonders auf
Messen und Jahrmärkten; Fust und Schöffer reisten bis nach Paris, um
ihre Bibeln abzusetzen. Mit der zunehmenden Verbreitung aber wurde
eine Arbeitsteilung notwendig: vom Druckereigewerbe trennte sich der
Buchhandel, und schon um 1500 gab es Verleger und Sortimentsbucki-
Händler. (Bild 1.)
Wie schützt sich heute ein Erfinder davor, daß seine Erfindung von anderen
ausgebeutet wird? - Wie wurden im Altertum und im Mittelalter Bücher ver-
melfälttgt? — Welche Bedeutung hatte Gutenbergs Erfindung für den Schulunter-
ncht? — Welche Bedeutung hatte die Einführung des Papiers (§ 63, 4) für die
Buchdruckerkunst?
2. Der Aufschwung der Wissenschaft und der Kunst in Italien. Die
Buchdruckerkunst wurde ein mächtiges Hilfsmittel für die Beschäftigung mit
der^Literatur der alten Römer und Griechen, ein Studium, das zunächst
in Italien zu neuem Leben erwachte und das man Humanismus (human
== menschlich, menschenwürdig) nannte. In Italien'hatte die Beschäftigung
mit dem klassischen Altertum nie ganz aufgehört, und nach den Kreuzzügeu
gaben sich ihr die wohlhabend gewordenen Bürger mit immer größerem
(Irl ^ln' ^ 15. Jahrhundert stellte sich das reiche Kanfmannsge-
schlecht der Medici [meditjchi], die in Florenz fast wie Fürsten herrschten,
an die Spitze der Bewegung. An ihrem Hofe fanden die griechischen Ge-
lehrten, die bei der drohenden Türkengesahr und besonders nach der
Eroberung Konstantinopels nach Italien geflüchtet waren, Aufnahme
und erweckten neues Interesse für das Griechische. Bald wurden überall
die alten Schriftsteller gelesen.