3. Siegfried und Kriemhild.
11
wendete sich zu seinem Waffenträger, um einen neuen in Empfang zu
nehmen. In diesem Augenblicke schwirrte eine todbringende Lanze heran
und durchbohrte die unbedeckte Brust. So starb der letzte Fürst der Ost-
goten, und mit ihm verschwand sein Volk vom Boden der Erde.
7. Italien aber wurde wieder eine Beute feindseliger Parteien. Denn
Narfes fiel in Ungnade und rief aus Rache einen andern germanischen Stamm,
die Langobarden, ins Land. Unter ihrem Könige Alboin bemächtigten
sie sich (568) besonders des nördlichen Italiens. Noch heute erinnert der
Name Lombardei an dieses Volk. Aber die Stellung zu gewinnen, die früher
Rom und Italien an der Spitze eines Weltreiches eingenommen hatten, ver-
mochten sie so wenig, wie es die Ostgoten imstande gewesen waren.
3. Siegfried und Kriemhild.
1. Zu Worms am Rhein herrschten einst drei Könige der Bur-
gunden: Gunter, Gernot und Giselher. Sie hatten eine Schwester,
Kriemhild, die ihrer Schönheit und Tugend wegen weithin berühmt
war. Es erfuhr davon der Königssohn Siegfried, der am Niederrhein
in der Stadt Xanten aufwuchs und durch seine Kraft und Kühnheit sich
schon in jungen Jahren großen Ruhm erworben hatte.
Einmal hatte er einen gefährlichen Drachen getötet, der einen großen
Schatz bewachte. Siegfried badete sich im Blute des erschlagenen Un-
getüms und bekam dadurch eine undurchdringliche Hornhaut, die ihn vor
allen Wunden schützte. Nur zwischen die Schultern war ihm ein Linden-
blatt gefallen; dort wurde feine Haut nicht fest, weil hier das Drachen-
blut nicht hingelangen konnte. Dies war die einzige verwundbare Stelle
an seinem Körper. Ein andermal kämpfte er gegen ein Volk von starken
Zwergen, die Nibelungen, und überwand sie. Da mußten sie ihm einen
ungeheuer reichen Schatz an Gold, Edelsteinen und kostbaren Kleinodien
sowie ein unsichtbar machendes Gewand, die Tarnkappe, das zugleich dem
Träger die Stärke von zwölf Männern verlieh, ausliefern.
Dieser starke Jüngling zog mit einem stattlichen Gefolge gegen Worms,
weil er um die holde Kriemhild werben wollte. Dort kannte niemand
den Recken, da er in die Tore der Stadt einritt. Da fragten die Könige
ihren Verwandten Hagen, der weit umhergekommen war auf seinen
Kriegsfahrten, wer der jugendschöne Held sei. Hagen hatte ihn zwar noch
nie gesehen, doch erriet er sofort, daß dies nur Siegfried sein könne, der
Drachentöter und Herr des Nibelungenschatzes. Auf seinen Rat wurde
Siegfried freundlich aufgenommen; denn besser sei es, einen solchen Helden
zum Freunde statt zum Feinde zu haben.
So wurde Siegfried herzlich willkommen geheißen und erwies sich