fullscreen: Lesebuch für hannoversche Volksschulen

Städte gab es in Mecklenburg zur Wendenzeit noch nicht, 
doch waren die Ortschaften, die sich um die Gauburgen bildeten 
und tn denen die Wenden ihre Märkte abzuhalten pflegten 
zum Teil klemen Städten ähnlich. Auch entstanden an der 
Küste infolge des lebhaften Verkehres, den die Wenden mit den 
Dänen und Schweden pflegten, einzelne Handelsorte. Die meck- 
lenburglschen waren indessen unbedeutend und wurden bald von 
Lübeck (wendisch Buku) im Westen und Julin (Wollin) im Osten 
unseres Landes überflügelt. Julin, das Vineta der Sage, war 
lange der bedeutendste wendische Ort am Ostseestrand'. ' Hier 
strömten Kaufleute aus aller Herren Ländern zusammen, auch 
Deutsche dursten sich hier niederlassen, doch dursten sie nicht 
öffentlich Gottesdienst halten. 
Einen Bürgerstand gab es also bei den Wenden nicht, 
vielmehr bestand der überwiegend größte Teil des Volkes aus 
Bauern. Die wendischen Bauern wohnten in Dörfern, die 
eine ganz bestimmte Form hatten. Es waren nämlich um einen 
freien Platz in der Mitte, der häufig mit Linden, dem Lieb- 
lingsbaum der Wenden, bepflanzt war, die Gehöfte rings im 
Kreise angelegt, so daß die Giebelseiten der Häuser an den 
Platz stießen und deren Gärten sich fächerförmig ringsum aus- 
breiteten. Nach außen hin war das Dorf mit einer dichten 
Hecke umgeben, durch die nur ein einziger Weg, zugleich als 
Eingang und Ausgang, auf den Mittelplatz führte. 
Der Ackerbau stand auf niedriger Stufe, da die 
Wenden nur hölzerne, leicht zerbrechliche Haken zum Pflügen 
benutzten und es verschmähten, die eiserne Pflugschar, die den 
Deutschen schon längst bekannt war, sich anzueignen. Sie be- 
schränkten sich deshalb daraus, die höher gelegenen, sandigen 
und weniger fruchtbaren Teile des Landes zu bestellen und 
ließen den schweren Boden, der jetzt den reichsten Ertrag giebt, 
unbenutzt liegen. Neben dem Ackerbau und der Viehzucht 
spielte auch die Fischerei im Haushalt der Wenden eine be- 
deutende Rolle, auch Obstbaumzucht, Gemüsebau und Bie- 
nenzucht betrieben sie. 
xftt ihrer Lebensweise waren die Wenden sehr genügsam?' 
„abgehärtet und an die dürftigste Nahrung gewöhnt" nennt sie 
einer der deutschen Geschichtsschreiber des Mittelalters, der sie 
selbst gekannt hat. Eine Ausnahme von dieser Einfachheit der 
Lebensweise machten sie nur auf ihren Festen, und wenn es
	        
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