Full text: Für den Unterricht in Unterklassen berechnet (Kursus 1)

Alfred der Große. 105 
Man erzählt sogar, der König habe goldene Armbänder an den Land- 
straßen aufhängen lassen, ohne daß Jemand gewagt habe, sie anzurühren. 
Auch für die Verbreitung höherer Bildung war Alfred rastlos bemüht 
und ermunterte auch hierin seine Unterthemen, durch das eigene Beispiel. 
Er fing noch im 36. Jahre an, die lateinische Sprache zu erlernen; 
mit Eifer sammelte er die altsächsischen Volkslieder. Er versuchte sich auch 
selbst in poetischen und prosaischen Arbeiten , namentlich in Gleichnissen 
und Erzählungen und übersehte nützliche Werke in's Angelsächsische. Um 
bei seinen zahlreichen und mühevollen Regierungsgeschäften noch Muße Zeitein- 
für gelehrte Arbeiten zu finden, war er im höchsten Grade sparsam mit weuung. 
der Zeit; von den vierundzwanzig Stunden des Tages und der Nacht 
bestimmte er acht Stunden den Regierungsgeschäften, acht den Wissen¬ 
schaften und dem Gebet, acht dem Effert, dem Schlafe und der Pflege 
des Körpers. Hierbei maß er die Zeit in Ermangelung einer Uhr durch 
Wachskerzen von bestimmter Länge ab. — Die von den Normannen zer- 
störten Klöster baute er wieder auf. Er legte zahlreiche Schulen an und 
die Universität Oxfords verdankt ihm ihre Blüthe, vielleicht auch ihre Universität 
Gründung. Von jedem freien Manne in seinem ganzen Reiche verlangte Oxford, 
er, daß er lesen und schreiben könne und wer auf eine höhere Stellung 
im Staate Anspruch machte, der lateinischen Sprache kundig sei. Ausge- 
zeichnete Gelehrte aus andern Ländern berief er an seinen Hos und un- 
terstützte sie mit großer Freigebigkeit. — Landbau und Gewerbe erfreuten 
sich seiner Aufmunterung und Unterstützung. Schifffahrt und besonders 
der auswärtige Handel waren Gegenstände seiner Aufmerksamkeit. Fremde 
Kaufleute, Künstler und Handwerker sanden bei ihm freundliche Aufnahme 
und fleißige Landbauer übernahmen die Pflege der durch den Krieg ver- 
ödeten Ländereien. Städte und Dörfer stiegen aus ihren Trümmern; 
die erhaltenen Städte wurden verschönert, namentlich London, welches 
Alfred zur Hauptstadt des Reiches erhob. — Mit derselben Gewissenhaf¬ 
tigkeit und Pünktlichkeit, wie seine Zeit verwendete Alfred die Einkünfte 
seines Reiches. Die eine Hälfte war für Schulen, Klöster und zur Un- 
terstützung der Armen bestimmt, die zweite Hälfte für die Unterhaltung 
des Hofes, für Bauten und andere nützliche Unternehmungen. 
Alfred starb 901 in einem Alter von 52 Jahren, nach einer 30jäh- 
rigen Regierung. Ein schmerzhaftes Körperleiden, welches ihn seit seinem 
20. Lebensjahre heimsuchte und jeder ärztlichen Kunst Trotz bot, hatte 
er mit wahrhaft christlicher Geduld getragen und verdient er schon hierdurch 
den Beinamen des Großen, den ihm die Geschichte wegen seiner Kriegs- 
thaten beigelegt hat s). * 
25. Deutschland: Heinrich I. 919—936. 
1. Konrad I. von Franken 911 — 918. Heinrich 1. von Sachsen 919 —936, 
der „Vogelsteller." Die Wahl zu Fritzlar. Lothringen kommt zu Deutschland 923. 
i) Oxford an der Themse, nordwestlich von London. 
2, Jll der letzten Hälfte des 10. Jahrhunderts sank die Macht der Nachkommen 
Alsrcd's und die Normannen brandschatzten von neuem das Land. Im Jahre 1066 
starb der letzte König aus angelsächsischem Stamm, der von 449 bis 1066 in 
England geherrscht hatte, und Wilhelm der Eroberer, Herzog von der Normandie, 
ward König von England (Kursus 2. S. 122—124).
	        
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