Neapel. 217
und bewundert (die blaue Grotte). Dies eine kurze Schilderung "Ws
neapolitanischen Golfes.
Die ganze Gegend vereinigt die Reize des Himmels mit dm
Schrecken einer unterirdischen Welt. Der Mittelpunkt Neapel,.
Napoli, — einst Parthenope, die volkreichste und glanzvollste
Stadt der Halbinsel, 416,000 E., ist durch Castelle am Hafen und
auf den Höhen ringsum geschützt — vom reizenden Meerstrande die
Berge herauf zieht sich die Stadt, ohne Mauern und Thore. Die
Straßen (die von Toledo die schönste) sind eng und mit Lava gepfla¬
stert, beständig von dem Getümmel des lärmenden Volkes erfüllt,
das mehr vor, als in den Häusern lebt. Unter den Kirchen enthält
der Dom das Wunderblut des heil. Januarius (Gennaro), des
Patrons der Stadt; aber nicht in Kunstwerken und Kunstschätzen liegt
das Blendende von N., sondern in seiner Lage und seinem Volks¬
leben. Bei dem unendlichen Reichthume der Natur leben hier gegen
80,000 Lazzaroni, wie man sie nennt, ohne Obdach; die Nah¬
rung, besonders die geliebten Maccaroni, ist leicht verdient. —
Am Meere, im N. von Neapel, aus steilem, mit dem Lande nur
durch eine schmale Enge verbundenen Felsenvorsprung die Festung
Gaeta, — im S. Amalfi, wo der Compaß erfunden, dann
Salerno, wo im Mittelalter eine berühmte Hochschule der Medi-
cin. Berühmte Messe. Im Dome Gregor VII. begraben. In
der Nähe Ruinen des alten Pästum, durch seine Rosen berühmt.
Im Innern: An der römischen Gränze Arpiño, wo Marius
und Cicero geboren: die Festung Capua, an der appischen Straße
(S. 214.), das alte Capua (nicht ganz auf derselben Stelle), bei
den Alten wegen seiner Weichlichkeit bekannt, der ganze Heere un¬
terlagen; aus einem steilen Berge das Benedictinerkloster Monte
Cassino, das älteste im westlichen Europa.
b) Abru zzo auf und an dem Appennin (S. 195.) mit der Ab¬
dachung nach dem adriat. Meere, das Land der kriegerischen Sam-
niten. Stadt Aquila (S. 195.).
c) Apulien, die Küste des adriat. Meeres vom Monte Gar-
gano an (S. 197.). Hier das verödete Brindisi, das einst so
glänzende Brundusium, eine Hauptstation der römischen Flotte
und bis in die Kreuzzüge Ueberfahrtsort. Besser hat sich Taran¬
to, das alte Tarent, gehalten, jene von Sparta aus gegründete
blühende und üppige Handelsstadt, die gegen Rom den Pyrrhus
herüber rief. (In der Umgegend die Tarantel-Spinne; von den
Wirkungen ihres Bisses erzählte man sonst viel Uebertrkebenes.) Im
Innern liegen die Handelsstädte Lecce und Foggia, nach Neapel
die größten im Lande. Bei der letzteren das Schlachtfeld von
Cannä. In dem südöstlichen Hacken der Halbinsel wohnen viele
Griechen. Otranto am Mittelmeere, wichtige Festung.
(I) Calabrien, die Halbinsel zwischen dem mittelländischen und
ionischen Meere, der Heerd verborgenen vulkanischen Feuers (Erd¬
beben von 1783), ein reich gesegnetes Land (S. 197.), aber noch
verwildert. Sicilien gegenüber die Handelsstadt Reggio: sonst
an den Küsten Trümmer griechischer Coloniestädte (S. 215.); so