Full text: Der Weltkrieg ([Erg.-H. 2])

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fcheidung, ob Deutschlands junge Flotte den Kampf mit der fast doppelt über¬ 
legenen Seemacht Englands aufnehmen soll, ist auf des Messers Schneide 
gestellt. Der Entschluß lautet: Angriff. Sofort nach Meldung der nach dem 
Angriff ablaufenden Torpedoboote hält unsere Phalanx in nördlicher bis nord¬ 
östlicher Fahrt auf jene Dunstwolke und die mitten in schweren Einschlägen 
liegende „Wiesbaden" zu. Unsere Panzerkreuzer, die die Spitze bilden, stoßen 
bald auf die feindliche Linie und werden, nach Süden abbiegend, sofort in 
ein ungleiches, sehr heftiges Artillerieduell verwickelt. In dieser Zeitspanne 
wird vom englischen Gros aus ein Angriff von Zerstörern und Kreuzern in 
der Richtung der treibenden „Wiesbaden" angesetzt. Er trifft infolge des 
Dunstes überraschend auf unsere Hauptkräfte, bricht hier aber unter schwersten 
Verlusten zusammen. Ein Kleiner Kreuzer, sowie die Panzerkreuzer „Defeuce" 
und „Black Prince" sinken. Der Panzerkreuzer „Warrior" erreicht als Wrack 
noch die eigene Linie, geht aber später gleichfalls verloren. 
Jetzt nähert sich die Kampfhandlung dieses wichtigsten Abschnittes mehr 
und mehr ihrem Höhepunkt. Der Artilleriekampf der Spitze pflanzt sich von 
unseren Panzerkreuzern durch das vordere Geschwader von Schiff zu Schiff 
weiter fort, während das folgende Geschwader die „Königin Elisabeth "-Division, 
die inzwischen östliche Richtung eingeschlagen hat und vom Norden her Anschluß 
an das englische Gros erstrebt, unter Feuer nimmt. Alle Waffen kommen 
jetzt zum Tragen. Die Schiffe verschwinden teilweise in Wassersäulen und 
Sprengwolken. Beim Feinde wird gute Wirkung beobachtet. Ein Großkampf¬ 
schiff der „Königin Elisabeth "-Division fliegt in die Luft; der Schlachtkreuzer 
„Jnvincible" sinkt, schwer getroffen, in die Tiefe. Zwei weitere große Kampf¬ 
einheiten werden außer Gefecht gesetzt. Auf unserer Seite vermag der Panzer¬ 
kreuzer „Lützow", das Flaggschiff unserer Aufklärungsflotte, seinen Platz nicht 
mehr zu behaupten. Er muß seine Fahrt vermindern und zieht sich aus dem 
Gefecht. Vizeadmiral Hipper schifft sich im schwersten Feuer aus einen anderen 
Panzerkreuzer um, und „Lützow" ist später aus dem Heimwege nach Rettung 
der gesamten Mannschaft von uns gesprengt worden. 
Um diese Zeit werden vom Flottenchef, dem Admiral Scheer, alle zur Ver¬ 
fügung stehenden leichten Kräfte zu zwei kurz aufeinander folgenden Vorstößen 
angesetzt. Unsere Torpedoboote kommen gut zu Schuß und kehren trotz schwerer 
Gegenwirkung unter dem Verluste von nur einem Boote zu ihren Geleitkreuzern 
zurück. Ein dritter Angriff durchbricht die Qualmwolke; er findet aber das 
feindliche Gros nicht mehr vor. Auch als Admiral Scheer die Kampflinie 
auf südwestlichem Kurse, auf dem der Feind zuletzt gesehen worden ist, ent¬ 
wickelt und heranführt, wird der Gegner nicht mehr angetroffen. Wohin er 
ausgewichen ist, kann nicht festgestellt werden. 
Mit dem Verstummen der Geschütze um Vi 10 Uhr kann man diesen 
dritten und letzten Abschnitt der Tagfchlacht als beendet ansehen. Auf feiten 
des Gegners sind verloren: eins der neuesten Linienschiffe der „Königin 
Elisabeth "-Klaffe, der große Schlachtkreuzer „Jnvincible", drei Panzerkreuzer 
— „Defeuce", „Black Prince" und „Warrior", — ein Kleiner Kreuzer und 
mindestens zwei Zerstörer. Dazu sind zwei Großkampfschiffe, zwei Kleine 
Kreuzer und mehrere Torpedoboote kampfunfähig gemacht. Auf unserer Seite 
sind der Kleine Kreuzer „Wiesbaden" und zwei Torpedoboote versenkt und
	        
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