Full text: Das Mittelalter und die neue Zeit bis 1648 (Teil 2)

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2. Der Zerfall des Karolingischen Meiches. 
a) Ludwig der Fromme 814—840. 
Nach Karls Tode trat bald eine Zeit heilloser Verwirrung ein; denn 
es fehlte die kräftige Hand, die ein so großes Reich, das verschiedenartige 
Nationalitäten germanischer und romanischer Abkunft in sich schloß, hätte 
zusammenhalten und regieren mögen. Karls Nachfolger, sein Sohn Ludwig 
der Fromme, besaß nur für kirchliche Angelegenheiten Teilnahme und 
Verständnis und geriet daher bald ganz unter den Einfluß der Geistlichkeit. 
Ihren Wünschen entsprechend trug er schon früh für die Zukunft des 
Reiches Sorge und erließ 817 eine Erbfolgeordnung, welche die Ein- 
heit des Reiches im Interesse der Kirche wahren sollte. Die Nachfolge in 
der Herrschaft mit dem Kaisertitel erhielt sein ältester Sohn Lothar, die 
beiden jüngeren Söhne Pippin und Ludwig (der Deutsche) mit dem 
Königstitel die Verwaltung von Aquitanien und Bayern. Lothar sollte 
als der älteste eine Art Oberherrschaft über die beiden andern Söhne aus- 
üben: er wurde deshalb sogleich zum Mitkaiser ernannt und auch einige 
Jahre später vom Papste zum Kaiser gekrönt. Aber nach der Geburt eines 
vierten Sohnes Karl aus einer zweiten Ehe mit der Welfin Judith suchte 
der Kaiser auch diesem einen Teil des Reiches zuzuwenden. Dagegen er- 
hoben sich die drei älteren Söhne, und nun entstand zwischen dem Vater 
und den Söhnen eine Reihe vernichtender Kämpfe, in denen drei Strö- 
mungen miteinander rangen: die herrschsüchtige Geistlichkeit mit dem Papste 
an der Spitze, die an der Reichseinheit festhalten wollte und Lothar als 
ihr Werkzeug gebrauchte, Judith, die für ihren Sohn Karl (den Kahlen) 
eine Bevorzugung durchsetzen, Pippin und Ludwig, die für sich soviel wie 
möglich gewinnen wollten. Die tiefste Demütigung erlitt der Kaiser auf 
dem Lügenfelde bei Kolmar (833), wo er vor Beginn des entscheidenden 
Kampfes von den Seinen verlassen wurde und.sich nun seinen Söhnen 
gefangen geben mußte. Lothar zwang ihn, öffentlich Kirchenbuße zu thuu 
und dem Throne zu entsagen. Nun aber nahmen sich Ludwig und Pippin 
des Vaters an und befreiten ihn aus Lothars Gewalt und setzten ihn wieder 
ins Kaisertum ein. Als aber der übelberatene Vater nach dem Tode 
Pippins (938) zu Gunsten Lothars und Karls eine neue Teilung der 
Länder vornahm, ergriff der gekränkte Ludwig die Waffen. Während der 
hierüber ausgebrochenen Wirren starb Ludwig der Fromme, von Kummer 
gebeugt, nachdem er Ludwig verziehen und befohlen hatte, Krone und Scepter 
Lothar zu überbringen.
	        
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