244 Dritter Abschnitt. Geschichte der Neuzeit.
reicher und Preußen der neuen Kriegskunst der Franzosen mit ihrer
rücksichtslosen Beweglichkeit und Kühnheit, die Carnot schuf, nicht
mehr gewachsen. Tapferkeit im einzelnen, z. B. Blüchers und seiner
Hufaren, konnte nicht gut machen, was eine veraltete Kriegführung
im ganzen versah, auch nicht ein neuer zweimaliger Sieg der Preußen
1794.bei Kaiserslautern. Die Polen erhoben sich unter Kosciuszko
für ihre Selbständigkeit; Preußen trat ihnen, um die Beute von 1793
festzuhalten, entgegen, Rußland aber unter Suwarow warf sie in der
Entscheidungsschlacht gegen Kosciuszko bei Maciejowiee und durch
die Erstürmung von Praga, der Vorstadt Warschaus, nieder. In der
1795. nun folgenden 3. Teilung Polens erhielt Rußland das noch pol-
ntfche Litauen und Kurland, Österreich das Krakauer Gebiet, Preußen
nur den kleinen Rest des ehemals mächtigen Polens als Neuostpreußen.
Das geheime gegen Preußen gerichtete Bündnis zwischen Rußland und
Österreich, die Erschöpfung der preußischen Finanzen, Verdacht gegen
Österreichs Politik Frankreich gegenüber bestimmte den König Fried-
rich Wilhelm II. von Preußen zur Lossagung von der Koalition
1795.und zu dem Separatfrieden mit Frankreich zu Basel. Durch
denselben überließ Preußen das linke Rheinufer, Holland und Belgien
an Frankreich und verschaffte durch eine Demarkationslinie vom
Main bis Schlesien dem Norden Deutschlands Neutralität und
einen 10jährigen, aber faulen Frieden, während Süddeutschland das
fernere Kriegsgeschick mit Österreich teilte. Eine französische Armee
unter Jourdan wurde vom Erzherzog Karl bei Würzburg zer¬
sprengt, Tausende der flüchtigen Räuber erlagen auf der Flucht der
Reiche des wütenden Landvolkes, und es mußte eine zweite französische
Armee unter M vre aus geschickter Leitung nun auch den Rückzug aus
Bayern nehmen. Napoleon Bon aparte aber führte ein zerrüttetes
französisches Heer in Italien, nachdem er feine Beutelust und Ruhm-
tiegier durch zündende Ansprachen entflammt und seine Kriegstüchtigkeit
1796. hergestellt hatte, in einem unvergleichlichen Siegesmarsche von
Genua bis Leoben an der Mur. Er plünderte dabei den Herzog
von Parma, ließ Mailand seine sogenannte Befreiung vom öfter-
reichifchen Joche mit 20 Millionen bezahlen, zwang dem Papste
schwere Summen uud Schätze der Kunst und Wissenschaft ab, raubte
den Engländern in Livorno kostbare Warenvorräte und bereicherte
Paris und das Direktorium mit dem Raube aus Italien. Er hatte
mit persönlicher Tapferkeit die Brücke von Arcole erstürmt uud den
alten österreichischen Feldherrn Wurmser zur Übergabe Mautuas
gezwungen. Seiner reißenden Schnelligkeit waren die langsamen,
ihre Kräfte zersplitternden österreichischen Generale nicht gewachsen; er
selbst wurde von seinem in Überfluß schwelgenden Heere als Held ver-
göttert. Er machte den Republiken Venedig und Genua ein Ende
1797.und erzwang von Österreich den Frieden zu Campo Formio, in
welchem dieses das linke Rheinufer ebenfalls preisgab, die Niederlande