Object: Die Neubildung der europäischen Kulturwelt durch Christentum und Germanentum (Das Mittelalter), die Ausgestaltung der europäischen Kultur und deren Verbreitung über den Erdball (Die Neuzeit) [bis zum Westfälischen Frieden] (Bd. 2)

26 Die (weitere) Ausbreitung der Westgermanen. 
des 8. Jahrhunderts der Hl. Emmeram zu Regensburg, der Bischof Rupert 
von Worms in Salzburg, der Hl. Korbinian in Freising, St. Willibald m 
Eichstätt. 
Im ferneren Verlaufe des 8. Jahrhunderts entstanden die Klöster Reichenau 
im Bodensee (bei Konstanz), Füssen und Kempten, dann später Weißenburg i. E 
Hirsau im Schwarzwald, Benediktbeuren, Tegemsee, Wessobrunn, Chiemsee' 
Weihenstephan, Heisterbach i. Siebengebirg u. a. 
Größeren Widerstand fand die Einführung des Christentums bei den Friesen 
Erst unter Karl d. tyx. gelang die vollständige Bekehrung derselben sowie die 
der Sachsen. 
Die Einrichtung der deutschen Kirche und deren Anschluß an die 
römische Mutterkirche wurden dann durch den Angelsachsen Winfried 
vollzogen, der als Benediktinermönch Bonifatius hieß. Er wurde vom 
732 Papst zum Erzbischof von Germanien erhoben und schuf als Erz- 
bischof die ihm unterstellten Bistümer Freising, Salzburg, Regensburg, 
Passau, Eichstätt, Würzburg und Erfurt. Er selbst erhielt als erzbischof- 
748 liehen Sitz Mainz zugewiesen. Bonifatius erwarb sich auch große Ver- 
dienste um die Mission in Deutschland. 
Bereits vor seiner Erhebung zum Erzbischof hatte Bonifatius die christliche 
Lehre in Friesland, Thüringen und Hessen verkündet; bei Geismar (in Hessen) 
fällte er die heilige Donareiche und bewies dadurch den gespannten Zuschauem 
die Ohnmacht ihrer Götter. Als Stützpunkte der Mission gründete er mehrere 
Klöster, darunter Fulda (für feinen Lieblmgsfchüler Sturm aus Bayern). Schon 
hochbetagt, zog Bonifatius abermals nach Friesland, um das Werk der Be- 
kehrung fortzusetzen, wurde aber von einer Schar heidnischer Friesen überfallen 
t 755 und erschlagen. Seine irdischen Reste ruhen in Fulda. Ihm zu Ehren erbaute 
König Ludwig I. zu München die Bonifatiuskirche, an deren Innenwänden 
die Taten des opfermutigen Helden durch Gemälde dargestellt sind. 
Die Ergebnisse der Völkerwanderung. 
Das wichtigste Ergebnis der Völkerwanderung war der Zerfall des 
einheitlichen Weströmischen Reiches und die Errichtung selbständiger 
germanischer Staaten, von denen allerdings nur das Reich der Angel 
sachsen und das der Franken dauernden Bestand hatten. Eine weitere 
wichtige Folge war die Verteilung Europas unter drei Bölkergrnppen: 
die Romanen (vgl. S. 1) beherrschen seitdem im großen und ganzen Süd- 
und Südwesteuropa; die Germanen Mittel- und Nordeuropa nebst 
England, die Slaven Ost- und Südosteuropa. — Die Vermischung der 
teilweise entarteten römischen Bevölkerung mit den noch jugendkräftigen 
Germanen brachte in den betreffenden Ländern wieder wertvolle Eigen- 
fchaften und Tugenden, wie kriegerische Tüchtigkeit, Treue u. dgl. zur 
Geltung. — Auf wirtschaftlichem Gebiete wurde die römische Geldwirt- 
schast fast vollständig verdrängt und es erfolgte ein zeitweiliger Rückfall 
in die Naturalwirtschaft (vgl. Grundbegriffe S. III). Jahrhundertelang
	        
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