Metadata: Deutsches Lesebuch für Mittel- und Oberklassen der Volksschulen

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t 244. Kaiser Ludwig 
mh der fromme Schweppermann. 
Der deutsche Kaiser Ludwig hatte eine große, entscheidende 
Schlacht gewonnen. Er selbst hatte als tapferer Ritter mitgefoch- 
ten und manchen blutigen Hieb geführt; aber die Anführung 
des Heeres hatte er klüglicherweise nicht selbst übernommen, son¬ 
dern einem kriegserfahrenen, alten Ritter namens Schwepper- 
mann überlassen. Die vorsichtigen Anordnungen dieses Anfüh¬ 
rers waren es denn auch, wodurch die hartnäckige Schlacht zu¬ 
gunsten Ludwigs entschieden worden war. Als nun am Abend 
die Feinde gänzlich das Feld geräumt hatten und man für dir 
Verwundeten gesorgt und die Gefangenen untergebracht hatte, da 
begannen die siegreichen Ritter samt dem Kaiser zu fühlen, daß 
sie den ganzen Tag gekämpft, aber nichts gegessen und getrunken 
hatten. Aber da war guter Rat teuer. Alle umliegenden Dörfer 
waren längst geplündert, wo nicht gar abgebrannt, und die Diener 
des Kaisers liefen lange vergebens umher, bis endlich einer mit 
einem Korbe voll Eier zurückkam, welchen er seinem Herrn Zu 
Füßen stellte. „Ist das alles?" fragte Ludwig. — „Alles, Ew. 
Majestät, was wir auf weit und breit haben finden können." — 
„Nun," sagte lächelnd der Kaiser, „dann müssen wir gewissenhaft 
teilen, damit keiner von den braven Rittern hier ganz hungrig 
schlafen gehen muß. Ihr Herren," fuhr er fort, „tretet in den 
Kreis, damit jeder seinen Anteil empfange!" Nun zählte er 
selbst die Eier und fand, daß nur eins mehr war als Ritter 
umherstandcn. „Gott segne uns das wenige, was er uns beschert 
hat!" rief er, indem er selbst ein Ei nahm, und zu seinem Diener 
sich wendend: „Jetzt teile du aus! Jedem ein Ei, dem 
frommen Schweppermann zwei!" Dem alten Krieger gingen 
die Augen über, als er sah, wie er von seinem Kaiser geehrt 
wurde. Zwar bat er mit noch vielen anderen Rittern, der Kaiser 
möge doch erst besser für sich sorgen, sie würden schon noch etwas 
finden; aber Ludwig beharrte bei seinem Ausspruche. „Ich habe 
nicht mehr getan," sagte er, „als ein jeder brave Ritter; aber 
der Schweppermann hat mehr getan als ein Dutzend von uns; 
ihm gebührt die Ehre!" 
Noch jetzt nach 500 Jahren liest man des Kaisers Worte: 
„Jedem ein Ei, dem . frommen Schweppermann zwei!" auf dem 
Grabsteine des letzteren. 
(lutwaa.
	        
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