Full text: Geschichtsbilder für mehrklassige Volksschulen

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Die deutsche Dichtkunst. 
teichterungen getroffen worden, so daß selbst für ein geringes Geld Briefe bis i 
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Gebruder Stimm, die sich besonders um die deutsche Mär und Sage und 
die Erforschung des deutschen Altertums verdient gemacht haben. 
59. Die deutsche Dichtkunst. 
.. Schatten und Licht. Die deutsche Dichtkunst (f. §29), welche seit dem Mittelalter 
allmählich gefunken und in Abhängigkeit uud Nachahmung fremder Dichtungen 
namentlich französischer, geraten war, nahm seit der Zeit Friedrichs des Großen 
euren neuen Aufschwung und entwickelte sich zum zweiten Male zur höchsten Blüte 
Her einflußreiche Dichter in der Zeit der Nachahmung ist Martin Opilv 
üon Boberfeld in Schlesien gewesen. Obwohl nur ein sehr mittelmäßiger Dichter 
erwarb er sich doch dadurch ein großes Verdienst, daß er den Grundsatz aufstellte' 
auch ui der deutschen Poesie müßten die leichten Silben, sowohl wie die schweren 
regelmäßig abwechseln. Als Mitglied der „fruchtbringenden Gesellschaft" bemühte 
er tich nuch um die Reinigung der deutschen Sprache von fremden, namentlich 
französischen Wörtern. 
2 Als Vorläufer der zweiten Blüteperiode sind folgende Dichter anzu¬ 
sehen: Haller, ein Schweizer, einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit- als 
Fabeldichter zeichneten sich aus: Hagedorn, Christian Fürchtegott Geliert, 
von welchem auch eine nicht geringe Zahl geistlicher Lieder in unsere Gesangbücher 
übergegangen ist; ferner Pfeffel, Sicht wer, Gleim, um welchen letzteren sich 
ein Dichterkreis sammelte, den man die Halberstädter nannte. 
3. Die zweite Blüteperiode der deutschen Litteratur beginnt mit Klopstock, 
9 öu Quedlinburg. Er zeichnete sich aus durch Versmaße und Formen 
des klassischen Altertums. Sein größtes Werk ist der Messias, ein religiöses- 
Epos; vorzüglich sind seine Oden, schön auch einige seiner 
Kirchenlieder. Wieland lebte mit Schiller, Goethe und 
Herder zugleich an dem Hose des kunstsinnigen Herzogs Karl 
August zu Weimar. Sein berühmtestes Gedicht ist das 
romantische Epos „Oberon." Lessing, geb. 1729 zu Kaineuz 
im Königreich Sachsen, lebte zuletzt als Bibliothekar zu 
Wolfenbüttel. Er gehört zu den größten Dichtern und 
Denkern, welche je gelebt haben. Seine bedeutendsten 
kritischen Werken zeigte Lessing sich besonders auch charakte¬ 
ristisch in der prosaischen Fabel: seine Fabeln sind noch Lessing, 
heute Muster der knappsten prosaischen Darstellungsweife. 
4. Die Häupter des Göttinger Tichterbundes waren: Voß, ein Mecklen¬ 
burger, ausgezeichnet durch feine Idyllen (Luise, der 70. Geburtstag) und feine 
Übersetzungen des Homer und Virgil. Hölty, ein talentvoller Dichter, starb 
leider schon in feinem 28. Lebensjahre. Die Brüder Christian und Friedrich, 
Grafen zu Stolberg. Matthias Claudius, der Wandsbecker Bote, ein 
echter Volksfchriftsteller. — Dem Göttinger Bunde sehr nahe stand Bürger, der 
als Balladendichter Vorzügliches leistete. - Hebel, ein Volksrichter wie Clau¬ 
dius, war zuletzt Professor in Karlsruhe. Seine aHemannifchen Gedichte, die 
Erzählungen des Hausfreundes, das Schatzkästlein und seine naturwissenschaft¬ 
lichen Aussätze sind zum großen Teile in die deutschen Schullesebücber überge¬ 
gangen. Herder, 1744 zu Mohrungen in Ostpreußen geb., zuletzt Präsident iu 
Werke sind: Nathan der Weise, Minna von Barnhelm 
und Emilia Galotti. . Außer seinen dramatischen und
	        
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