II. Die Zeit des Kampfes zwischen Heidentum und Christentum. 15
3000 edlen Franken taufen und bereitete dem Christentnme eine Stätte
in seinem Lande.
3. Die Nachkommen Chlodwigs brachten auch die Bayern in ein
Abhängigkeitsverhältnis zum Frankenreiche. Dieses Verhältnis war
bald mehr, bald weniger drückend. Der bayerische Herzog mußte sich
nun nach seiner Wahl jedesmal vom fränkischen Könige bestätigen
lassen. Gegen den fränkischen Hausmeier Pippin, der für den König
regierte, erhoben sich aber die Bayern unter ihrem Herzog Oatilo
(Odilo); doch sie wurden am Lech geschlagen und ihr Land 52 Tage
lang gebrandschatzt. Der Verlust ihrer Unabhängigkeit war aber für
die Bayern in Wirklichkeit von Vorteil; durch ihre engere Verbindung
mit den Franken erhoben sie sich auf eine höhere Stufe der Gesittung.
Unter dem fränkischen Könige Dagobert wurden zum erstenmale die
bayerischen Gesetze in lateinischer Sprache aufgeschrieben.
15* Die Kayern werden Christen.
1. Als die Bayern in das ehemals römische Rätia und Noricum
einwanderten, waren sie noch Heiden. Gleich den übrigen Germanen
beteten sie zu Wodan, Donar und Ziu; letzteren nannten sie Erch.
Auch glaubten sie an Riesen und Zwerge, an Elfen und Waldgeister.
Daneben galten ihnen Bäume, Quellen, Hügel und Schluchten für
geheiligte Orte; ja, sie beteten auch Bilder in Tempeln an. Ihre
Götter verehrten sie in heiligen Hainen. Sie feierten den Gottes¬
dienst, indem sie sich gleich den Alemannen um ein Gesäß mit zwanzig
Eimern Bier versammelten, um Wodans Minne zu trinken. Als
Opfer brachten sie Pferde dar.
2. Die Bayern fanden in ihren neuen Wohnsitzen das Christen¬
tum schon vor. Die hl. Afra hatte in Augsburg, der hl. Valentin
in Tirol und der hl. Maximus in Salzburg gewirkt. Es dauerte
jedoch lange Zeit, bis die Bayern das Christentum annahmen und,
statt zu ihren Göttern, zum wahren Gotte beteten. Erst gegen Ende
des siebenten Jahrhunderts kam die neue Lehre allgemein zur Geltung.
3. Der eigentliche Apostel der Bayern ist der hl. Ruprecht von
Worms. Um das Jahr 696 kam er nach Regensburg, wo er den
damaligen Herzog bekehrte und taufte. Wohl zehn Jahre lang zog
Ruprecht als friedlicher Gottesmann durch das Land, verkündete überall
die christliche Wahrheit und erwarb sich die Liebe des Volkes. Er liegt
in der von ihm gegründeten Peterskirche zu Salzburg begraben. Ein
anderer Glaubensbote war der hl. Emmeram, der drei Jahre lang
das Evangelium predigte und schließlich von Lantbert, dem Sohne des
Herzogs, auf einen falschen Verdacht hin, ermordet wurde. Einige
Jahre später trat der hl. Corbinian auf, der die Bekehrung der
Bayern vollendete.
4. Durch den hl. Bonifatins wurde Bayern in mehrere Bis¬
tümer geteilt; das bedeutendste Bistum war Salzburg. Die Bischöfe