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7. Wiedererstattungsbefehl. Im Jahre 1629 erließ der Kaiser auf Antrieb
der Jesuiten den Befehl, die Protestanten sollten alle eingezogenen Kirchengüter wieder
herausgeben; auch sollte es den katholischen Fürsten freistehen, ihre evangelischen Unter¬
thanen mit Gewalt zur katholischen Kirche zurückzuführen. Ein Schrei tiefster Ent¬
rüstung ging durch das protestantische Deutschland. Selbst Wallenstein mißbilligte
diesen „unverständigen Religionseifer am kaiserlichen Hofe" — aber alle Beschwerden
der Fürsten und Städte waren umsonst. Da wagte es Magdeburg — ermutigt durch
das Beispiel Stralsunds — sich offen dem kaiserlichen Befehle zu widersetzen. Schon
rückte Pappenheim, einer der kühnsten unter den Hauptleuten Wallensteins, herbei, um
den Widerstand des „Ketzernestes" zu brechen — aber ein unerwartet eintretendes Er¬
eignis hinderte ihn an der Ausführung seines Vorhabens, nämlich die Absetzung
Wallensteins.
8. Wallensteins Absetzung. Schon längst war Wallenstein bei den Fürsten
seines unerhörten Übermutes wegen verhaßt. Sein durch Schandthaten gebrandmarktes
Heer verübte überall die größten Grausamkeiten. Die Offiziere schwelgten von dem
Gute des im Elende schmachtenden Bauern. Was die rohen Soldaten nicht verzehren
konnten, verdarben sie aus Mutwillen. Da forderten die Fürsten auf dem Kurfürsten¬
tage zu Regensburg mit Ungestüm die Entlastung Wallensteins. Mit schwerem Herzen
fügte sich der Kaiser und willigte in Wallensteins Absetzung. Dieser zog sich rache¬
brütend mit ungeheuren Schätzen auf seine mährischen Güter zurück.
9. Gustav Aodlf. Als die Not der Evangelischen durch den „Wiedererstattungs¬
befehl" des Kaisers aufs höchste gestiegen war, da nahte sich ihnen auch der Retter.
Es war der Schwedenkönig Gustav Adolf. Er zeichnete sich durch eine tiefe Frömmig¬
keit aus, hielt auf strenge Manneszucht bei seinen Soldaten und teilte mit ihnen alle
Mühen und Gefahren. Durch die Not der evangelischen Glaubensbrüder gerührt,
beschloß er, ihnen Hilfe zu bringen. Diesen Entschluß führte er um so lieber aus,
als er durch die Pläne Wallensteins wegen der Erhaltung seiner Ostseeherrschast be¬
unruhigt und auch durch die Vertreibung der mecklenburgischen Herzöge, seiner Ver¬
wandten, gereizt worden war. Der Kaiser spöttelte, wie man erzählt, bei seiner Kriegs¬
erklärung: „Wir haben ein neues Feindel bekommen!" Aber Tilly sagte ernst: „Majestät,
kein Feindet, einen rechten Feind." Scherzweise nannte man ihn auch wohl den „Schnee¬
könig". Mit nur 15 000 seiner Kerntruppen landete er in Pommern. Er selbst war
der erste, der in Usedom ans Land stieg. Hier warf er sich im Angesicht seines Heeres
auf die Knie nieder und betete. Als er sah, daß sich die Augen seiner Offiziere und
Soldaten mit Thränen füllten, sprach er: „Weinet nicht, sondern betet. Je mehr
Betens, desto mehr Sieg. Fleißig gebetet, ist halb gefochten." Zuerst vertrieb er die
Kaiserlichen aus Pommern, Mecklenburg und Brandenburg. Da hörte er, daß Magde¬
burg von Tilly belagert werde, und sofort beschloß er, der Stadt zu Hilfe zu kommen.
Aber der Kurfürst von Brandenburg mißtraute ihm und wollte ihm den Durchzug
durch sein Land nicht gestatten. Endlich jedoch willigte er ein, und Gustav Adolf
rückte nun auf Magdeburg los.
10. Zerstörung Magdeburgs. 1631. Schon mehrere Wochen war Magdeburg
von Tilly belagert und mit Kanonen beschossen worden. Gustav Adolf hatte der Stadt
zwar einen trefflichen Kommandanten gegeben, den Obersten Falkenberg; aber dieser
besaß nur eine geringe Truppenzahl und wenig Pulver. Dennoch verzagte er nicht
und hoffte aus Gustav Adolfs Hilfe. Am 9. Mai hielt Tilly mit der Kanonade plötzlich
inne und ließ feine Geschütze abführen. Die Magdeburger glaubten, er fliehe vor den
anrückenden Schweden, und atmeten froh auf. Allein es war eine Kriegslist. Tilly
rüstete zum Sturm. Die Wächter waren bis Mitternacht wachsam auf ihrem Posten
gewesen; da aber im kaiserlichen Lager alles still blieb, verließen sie mit der Morgen¬
dämmerung die Mauern, um einige Stunden der Ruhe zu genießen. Plötzlich jedoch