Volltext: Vom Wiener Kongreß bis zur Gegenwart (3)

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Bundestages sitzen könnten . .. Meine Herren, ich werde nicht mehr 
oft zu Ihnen sprechen können; ich bin matt; ich habe keine Lust und 
keine-Kraft dazu und auch kein Interesse. Aber ich möchte nicht 
von der Bühne abtreten, ohne Ihnen dies ans Herz zu legen: seien 
Sie einig und lassen Sie den nationalen Gedanken vor Europa 
leuchten; er ist augenblicklich in der Verfinsterung begriffen!" Richter 
antwortete auf diese ergreifenden Worte mit einer heftigen Rede, in 
der er u. a. erklärte, das Reich brauche bloß die kolossalen Militär¬ 
ausgaben herabzusetzen, dann sei Geld genug da: worauf Bismarck 
in einer neuen ausgezeichneten Rede (am 14. Juni) mit dem Hinweis 
darauf entgegnete, daß er seit 1871 beständig daran gearbeitet habe, 
eine übermächtige Koalition gegen Deutschland zu verhindern, und 
daß er mit diesen Bestrebungen vollständig gescheitert wäre ohne den 
Hinblick auf das deutsche Heer. „An der Armee, meine Herren, 
rühren Sie nicht!" Das Ergebnis aber aller Verhandlungen war, 
daß am 14. Juni 1882 das Tabaksmonopol mit 276 gegen 43 Stimmen 
abgelehnt wurde. Das gleiche Schicksal hatte am 27. März 1886 
der Versuch, dem Reich das Branntweinmonopol zu verschaffen, 
indem die Vorlage trotz ihrer vorzüglichen Begründung mit 181 gegen 
3 Stimmen, bei 37 Enthaltungen, verworfen wurde und damit dem 
Reich aus manchesterlichen Doktrinarismus und infolge der Partei¬ 
sucht der Bismarck unbedingt feindlichen Opposition eine jährliche 
Einnahme von 300 Millionen entging. 
Egelhaaf, Geschichte der neuesten Zeit vom Frankfurter Frieden 
bis zur Gegenwart. S. 156—173. 
XVI. politische Parteien. 
Die Partei ist eine feste und dauernde Vereinigung vieler 
gleichgesinnter nach gleichen Zielen strebender Menschen zu gemein¬ 
samen Zwecken unter gemeinsamen Grundsätzen. Parteien gibt es 
somit auf allen Gebieten, im geistigen und materiellen Leben, in 
Wissenschaft und Kunst, in Wirtschaft und Politik. Die Partei¬ 
bildung ist eine Äußerung des uns innewohnenden sozialen Geistes, 
der in der Vereinigung nach größerer Kraft und Wirkung strebt. 
Nach ihrem ganzen Wesen muß die Partei ihr eigenes Ziel sür das 
einzig richtige halten, und mit dem Worte Partei verbinden wir, 
wie schon sein Ursprung zeigt, den Begriff des Teilweisen, Ein¬ 
seitigen, so daß wir uns kaum auf irgendeinem Gebiete einen Zu¬ 
stand vorstellen können, in dem nur eine einzige Partei Geltung 
hätte. Wo dies je vorübergehend der Fall ist, da pflegt sich bald 
wieder die Zersplitterung der Meinungen einzustellen. So setzt der 
Begriff der Partei auch die Vielheit, mindestens die Zweiheit voraus. 
Eine politische Partei im eigentlichen Sinne kann es im absoluti¬ 
stischen Staate noch nicht geben, weil ein greifbares Ziel für sie 
nicht vorhanden ist; er tritt höchstens als Gegensatz zur Staats- 
Beyer, Lesebuch zur Deutschen Geschichte. III. 14
	        
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