Full text: Meine Wanderungen und Wandelungen mit dem Reichsfreiherrn vom Stein

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zösische Schildwachen ihr Qui vive ! zuriefen, aber die Sieges¬ 
freude? die Siegesfreude? — wie sie in ijirer Fülle, wie sie 
nach Schlachten wie die an der Katzbach, bei Leipzig und 
bei Waterloo ihm und allen Guten und Tapfern im hellen 
Sonnenschein erschienen wrar, so hatte er sie doch nicht kosten 
gedurft. Zwrar die Hauptsache war gewonnen, der Alp Napo¬ 
leon war abgeschüttelt und konnte in St. Helena wie ein 
Gefesselter seinen Franzosen und Europa seine letzten Testa¬ 
mentlügen diktieren; aber (weder) das alte Deutschland von 
1600 mit dem Elsaß und Lothringen und dem burgundischen 
Kreise war nicht wiedergewonnen und auch in schlimmen 
Abreißungen, Zerstückelungen und Zerteilungen der Lande, 
welche alle Redlichen verletzten, war nur zu viel gesündigt. 
Auch das Verfassungswerk, wie es in Wien hin und her zum 
Teil von den bösesten, tückischesten Schmieden auf dem 
Amboß geklopft und doch wenig ausgeschmiedet war, ent¬ 
sprach den Hoffnungen nicht, welche durch die Verkündi¬ 
gungen von Kalisch und Paris erregt waren. Wenn man den 
Ritter nun nach den Kongressen von Paris, Wien und Aachen 
in Nassau in seinem Garten unter einem Apfelbaum oder auf 
den Höhen der beiden Burgen unter irgend einer Tanne oder 
Lärche, die er vor einem Menschenalter gepflanzt hatte, so 
still sitzen und mit seinem Krückstock mit den welken Blät¬ 
tern spielen sah, drückte sich auf seinem Angesicht oft ein 
tief verschlossener Schmerz aus, wie es viele Schmerzen gibt, 
worüber man mit keinem Sterblichen, sondern nur mit Gott 
sprechen kann. Stein sprach aber alles mit Gott ab. Breite, 
politische Gespräche über das, was werden konnte oder ein¬ 
mal gewesen war, liebte der Mann überhaupt nicht; er war 
gemacht zuzugreifen und fortzutreiben und fortzustoßen, 
wras ihm als Arbeit eben vor den Füßen lag, alles andere legte 
er still geduldig auf die Kniee Gottes, der es zu seiner Zeit 
abschütteln und zurechtschütteln wrerde. — 
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