Full text: Deutsche Geschichte vom Ausgange des Mittelalters

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die Ostsee beherrschten, sich Rußlands bemächtigten, lange vor 
Kolumbus Amerika entdeckten und vom Ende des 8. bis ins 
11. Jahrhundert hinein die ganze, mühsam entwickelte Kultur 
der seßhaft gewordenen Germanenvölker zu vernichten drohten. 
Deren gefährlichster Feind aber waren die Sarazenen, jene 
orientalischen Völker, die auf den Anstoß der Araber hin 
aufbrachen, um in Ländern höherer Kultur Beute und Wohn¬ 
sitze zu erlangen. 
>Jm Kampfe mit dieser Welt von Feinden, die im 10. Jahr¬ 
hundert nahe daran waren, die christliche Welt zu überwälti¬ 
gen, erwuchs das Papsttum zum siegreichen Führer, dem da- 
* nach von selbst die Weltherrschaft zufiel. Die slawischen 
Stämme unterjochte es durch dieselbe Macht, durch die es die 
Germanen unterworfen hatte; sie mußten das Christentum, 
das heißt die römische Produktionsweise annehmen; indem 
das Papsttum sie seßhaft machte, wurden sie unschädlich ge¬ 
macht. Dann schloß Rom ein Bündnis mit den Normannen, 
um vereint mit ihnen die Sarazenen zu bekämpfen. Die Nor¬ 
mannen wurden die Vasallen des Papstes, der sie mit ihren 
Eroberungen belehnte; mit päpstlicher Hilfe eroberten sie Eng¬ 
land und Unteritalien. Mit Hilfe der Normannen aber er¬ 
öffnete das Papsttum die Angriffskriege gegen die Sara¬ 
zenen, die unter dem Namen der Kreuzzüge bekannt sind und 
deren erster im Jahre 1095 begann. 
Die Normannen, die bei alledem ziemlich ungeberdige 
Vasallen der Päpste blieben, wurden durch ihre Ländergier in 
den Orient getrieben; sie errichteten in Palästina, Syrien, auf 
Cypern feudale Staaten. Wenn sie die Vorkämpfer der 
Kreuzfahrer waren, so bestand deren Masse aus Leuten, die 
in der Heimat nichts zu verlieren hatten: aus Leibeigenen, 
die den Druck der Feudalherren nicht mehr ertragen konnten, 
aus heruntergekommenen Elementen des niederen Adels: 
Walter von Habenichts nannte sich einer von ihnen. Aber die 
Macht des Papsttums war so groß geworden, daß es auch 
Kämpfer werben konnte, die nur mit Widerwillen das Kreuz 
als päpstliches Feldzeichen in den Orient trugen, darunter 
mehr als einen deutschen Kaiser. 
Dieser immer wachsenden Macht der geistlichen Mon¬ 
archie, die in den Kreuzzügen gipfelte, entsprach bie wachsende 
Ohnmacht der weltlichen Monarchie. Die Grundlage der feu¬ 
dalen Gesellschaft war die bäuerliche und handwerksmäßige 
Produktion im Rahmen der Markgenossenschaft. Ein oder 
mehrere Dörfer bildeten in der Regel eine Marfgenossen-
	        
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