Full text: Grundriß der Geschichte Hamburgs

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begehrten die Vorsteher und Einwohner des St. Nikolai- 
Kirchspiels den Freund und Gehilfen Luthers, Johann 
Bugenhagen, zum Prediger. Der Rat widersetzte sich 
dieser Berufung, indem er sich noch auf das Wormser Edikt 
stützte. Aber im Jahre 1526, als auf dem Reichstage zu Speier 
ein für die Evangelischen günstiger Beschluß gefaßt worden 
war, setzten die Bürger des St. Nikolai-Kirchspiels die Wahl 
eines evangelischen Predigers, Johann Zegenhag.en, durch, 
und bald darauf wurden auch in St. Jakobi und St. 
Katharinen evangelische Kirchherten (Hauptpastoren) ein¬ 
gesetzt, in letzterem Kirchspiel Stephan Kempe. Endlich 
erhielten auch im Rate die Anhänger der neuen Lehre das 
Übergewicht; im März 1528 wurden vier neue Mitglieder 
der Rates erwählt, die sämtlich der Reformation günstig 
gesinnt waren. 
Zwischen den evangelischen Predigern und den Vertretern 
der römisch-katholischen Lehre (es waren dies vornehmlich die 
Domherren und die Dominikanermönche) entstanden heftige 
Streitigkeiten, die auch die Bürgerschaft in Erregung brachten. 
Um inneren Unruhen vorzubeugen, verlangten die Bürger 
vom Rate, daß durch eine öffentliche Disputation festgestellt 
werde, wer Gottes Wort lehre; die Gegner sollten dann 
als Unruhstifter ausgewiesen werden. Am 28. April 1528 
fand die Disputation statt; sie führte, da das Wort 
Gottes als maßgebend für die Entscheidung angenommen 
wurde, zu einem vollständigen Siege der evangelischen 
Prediger (Stephan Kempe und Johann Zegenhagen). Ihre 
heftigsten Gegner mußten die Stadt verlassen. 
Jetzt gingen Rat und Bürgerschaft an die Neugestaltung 
der kirchlichen Verhältnisse. Zunächst wurde auch an die 
St. Petrikirche ein evangelischer Prediger als Kirchherr 
berufen. Die große Aufgabe aber, die Reformation vollständig 
durchzuführen und dauernde kirchliche Einrichtungen zu schaffen, 
übertrug der Rat dem Dr. Bugenhagen, der damals gerade 
in Braunschweig mit demselben Werke beschäftigt war. Am 
9. Oktober 1528 traf er in Hamburg ein und war hier bis 
zum 9. Juni 1529 tätig. Die von ihm ausgearbeitete 
Kirchenordnung bildete für alle folgenden Zeiten die Grund¬ 
lage der kirchlichen Einrichtungen Hamburgs. Ganz besonders
	        
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